Categories: HOLLOW TALK

Hollow Talk (58)

Ein Land – zwei Hymnen. Ob Onkel Donald eine davon kennt?

 Nunarput utoqqarsuanngoravit ist der Titel einer der beiden Nationalhymnen von Grönland. Die zweite hat den Titel Nuna asiilasooq. Um mir nicht den Anschein zu geben, ich könnte auch nur eine von den beiden Hymnen aufsagen oder gar singen, sage ich gleich: Nein, da bin ich quasi ein Donald, ein Nationalhymnen-Unkundiger! Die beiden Hymnen liefern, übersetzt ins Neuhochdeutsche, auch ein ganzes Bündel an Phasen und Plattheiten ab, so wie wir es von den meisten Hymnen kennen.

Beispiel gefällig?

Die Nunarput-Hymne beginnt so:

Unser Land, weil du so alt geworden bist,ist dein Kopf bedeckt mit weißem Haar.
Deine Kinder trägst du auf den Armen und gibst ihnen, was deine Küsten haben.

Die Hymne war lange umstritten, wurde im Parlament immer wieder zum Gegenstand erregter Debatten, bis ihr schließlich eine zweite Hymne an die Seite gestellt wurde. Diese NUNA-Hymne neueren Datums steht der ersten inhaltlich in nichts nach.

Hier eine Leseprobe:

Ein gewaltiges Klippenland
erhielt Grönlands Volk zum Besitz
/: mit Berg von Strand zu Strand. :/:
Und am Wasser der tiefen Fjorde
ließ es sich gut wohnen und bauen
und die Perlenreihe der Inseln band
ein Band entlang der Küste Rand.

Der des Singens wenig Kundige Donald hat nun seine behaarte Pranke nach Grönland ausgestreckt, nicht ohne zu betonen, das Land sei zwar nur ein Eisbrocken im Meer, dennoch aber von großer strategischer Bedeutung, verbirgt es doch (wahrscheinlich) unter seiner Eiskuppel seltene Bodenschätze, die aber abzubauen dem „Deal-Maker“ ein hübsches Sümmchen wert ist. Am besten – hier geht nichts über weltpolitische Interessen – sollten die USA am besten gleich in den Besitz dieser Insel kommen, um sie als schwimmenden Flugzeugträger auszubauen (eine kleine Station haben unsere Waffenbrüder bereits dort).

Die störrischen Insulaner haben allerdings – in ihrer Mehrheit – keinen Bock auf die Amis und schlafen bereits in anti-amerikanischer Bettwäsche. Nun will ich hier nicht lang und breit auf die Konfliktlinien eingehen, mit denen eine Übernahme der Insel durch die USA verbunden wäre – die (angekündigten) Reaktionen der Insulaner reichen von Protesten und Demonstrationen bis hin zu bewaffnetem Widerstand.

Einer bewaffneten Eroberung hat der Herrscher aller Amerikaner bei seiner Rede in Davos bereits abgeschworen – ihm schwebt eher ein Deal vor, so richtig mit Dokumenten, Urkunden, einer Schalmeien-Kapelle, einem Waffelstand und einer Losbude. Er hat bei seiner Rede vor dem Weltwirtschaftsform bereits verkündet, dass er auf den Einsatz von Gewalt erst einmal verzichten will und deshalb der beste Friedensfürst der Geschichte ist.

Man kann sich die Frage stellen, ob der Auftritt von Trump nicht von vorne bis hinten eine Luftnummer war, eine Zirkusillusion, eine Vernebelung europäischer Hirne und Befindlichkeiten?

Befürworter dieser Auffassung führen gerne ins Feld, Trump sei mit keiner Zeile auf die angedrohten Zölle eingegangen, habe sie nicht einmal am Rande erwähnt, obwohl diese Zölle doch schwerwiegende Folgen für den deutschen Außenhandel hätten. Ist das einfach ein Schachzug zur Beruhigung des Auditoriums gewesen, ein Zeichen guten Willens, ein Friedensangebot?

Die Antwort auf diese Fragen liegt vielleicht in Gelsenkirchen – was auf den ersten Blick als unsinnig erscheinen muss! Aber ausgerechnet heute, wo die Schlagzeilen und Nachrichtensendungen von Trumps Auftritt in Davos bestimmt sind, verkündet die Lokalpresse die Einigung der „Fantastischen Vier“ über eine Koalition (samt Personaltableau).

Inwieweit die 37 Sitze der vier „Koalitionäre“ nicht eine verdammt wackelige Angelegenheit sind, die darauf angewiesen sind, dass wirklich die gesamte Truppe „beisammen“ bleibt, um keine Abstimmungsniederlagen zu erleiden, hat die Wahl des zweiten Stellvertreters der Oberbürgermeisterin nur allzu deutlich gemacht.

Schon wenn man sich die heute in der WAZ vorgestellten Programm-Bausteine anschaut, wird deutlich, dass die Stadt sich in einem – martialisch formuliert – Abwehrkampf befindet. Man hat sich nicht ohne Grund auf zahlreiche Punkte verständigt, die im Bereich Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit, Stadtimage, Zuwanderung aus Süd-Ost-Europa und „Befriedung“ liegen – von verstärkter Video-Überwachung bis hin zu vermehrtem Einsatz von „Diensthunden“. Dass Versprechungen gemacht werden, die aber im folgenden Absatz schon wieder aufgeweicht werden (etwa im Bereich „Rückführungen“), ist nur ein Beispiel von vielen.

Dass dann aber auch noch erneut bzw. wieder eine „Seilbahn“ ins Spiel gebracht wird, verzuckert mit dem Hinweis auf die Ausweisung und Schaffung von Gewerbeflächen oder neuen Sportanlagen („BMX-Leistungszentrum“), ist wieder ein buntes Knall-Bonbon, das niemand vermissen wird, wenn es nicht realisiert werden kann.

Dass in das „Gelsenkirchener Programm“ für die laufende Ratsperiode auch unangenehme Wahrheiten eingeflochten worden sind (die, laut WAZ, klare und unbequeme Realität), entspricht dem Verzicht Trumps darauf, die Gemengelage nicht noch weiter durch einen „Nebenkriegsschauplatz“ wie die Zollthematik zu verkomplizieren.

Es steht zu hoffen, dass Trump nicht auf Zeit spielt!

Und es steht zu hoffen, dass in Gelsenkirchen diejenigen die Zukunft gestalten, die sich einen klaren Blick bewahrt haben

HOLLOW TALK: (unsinniges) Geschwätz, Laberei, Geplapper

 

 

 

 

 

5/5 - (3 votes)

Weitere Texte des Autoren:

GEMISCHTE FRÜCHTE

Wir wollten erst einmal den Rummel abwarten. Aber bei uns hat es nicht so sehr…

Lesen Sie weiter:

FLOTT UND FRECH UND FLAUSCHIG: KURZNACHRICHTEN (1)

Wussten Sie, dass die letzte „weiße Weihnacht“ in Deutschland 2010 stattgefunden hat? Da müsste man…

Lesen Sie weiter:

Frohe Botschaft 20

Tolle Sache Gelsenkirchen wird „City der 5000“ Im Bereich der Bochumer Straße („Kreativquartier“) heißt es…

Lesen Sie weiter:

2 comments

Ali-Emilia PodstawaAli-Emilia Podstawa says:

Wir brauchen und wollen endlich Seilbahnen in der Stadt, denn anders geht es nicht. Wer in diesen schwierigen Zeiten Seilbahnen leugnet, der hält auch die Erde für eine Scheibe.

0
0
Heinz NiskiHeinz Niski says:

Erst einmal klein anfangen und die Seilbahn mit den lustigen Kohlenschaukeln der Rotthauser Straße wieder eröffnen. Die könnten ja Pakete von A nach B seilen…

0
0

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Sie auch interessieren:

HOLLOW TALK* (4)

Himmel, Hölle und Randale Ein Street Art Rad, an dem gerne mal etwas kaputt gemacht…

Lesen Sie mehr:

HOLLOW TALK (8)

Damit wir Frau Brugger nicht falsch verstehen Gemeint ist hier nicht Allison Hazel Brugger, die…

Lesen Sie mehr:

HOLLOW TALK (17)

Gelsenkirchener, Mercedesfahrer, Jährige, Männer: Weitere Details unbekannt In der Nähe von Ulm, im Örtchen Illerkirchberg,…

Lesen Sie mehr:

HOLLOW TALK (37) *

 Empörung, Aufschrei, Wutgeheul, Aufregung wie im Harem, wenn der Eunuch sich als „nicht-kastriert“ herausstellt, oder…

Lesen Sie mehr: