Ach, was muss man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen.
Die, anstatt durch weise Lehren
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten.
Ja, zur Übeltätigkeit,
Ja, dazu ist man bereit!
Menschen necken, Tiere quälen,
Äpfel, Birnen, Zwetschen stehlen
Das ist freilich angenehmer
Und dazu auch viel bequemer,
Als in Kirche oder Schule
Festzusitzen auf dem Stuhle.
Aber wehe, wehe, wehe,
Wenn ich auf das Ende sehe!!
Wilhelm Busch: Max und Moritz. Eine Bubengeschichte in sieben Streichen (Vorwort)
Was der Humorist und Erzähler WILHELM BUSCH uns hier anhand der Streiche von Max und Moritz humorvoll (und manchmal mit bösem Unterton) vermittelt, erschien erstmalig als Bildergeschichte 1865, bevor es als „Kinderbuch“ seinen Siegeszug antrat. Das Werk gehört heute zum Kanon der populärsten Werke des Autors und wurde in über 300 Sprachen und Dialekte übersetzt. Manche Zeilen bzw. Reime aus „Max und Moritz“ haben sich in das Gedächtnis der Menschheit „eingeschrieben“: „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich.“
Hier soll allerdings nicht über die ästhetische Qualität des Werks von Busch nachgedacht und die pädagogische Relevanz erörtert werden, sondern lediglich das Verhältnis von (böser) Tat und (strenger) Strafe betrachtet werden, denn dafür gibt es – leider – mal wieder ernsten Anlass.
Nachdem sich die Situation am Heinrich-König-Platz (Diebstähle, Anpöbeleien, Aggressionshandlungen) beruhigt hatte (vermehrte Polizeistreifen, mobile Sozialarbeit etc.), kommt nun eine zweite „Welle“ von Straftaten auf uns zu – allerdings verlagert zum Vorplatz des Musiktheaters im Revier. Wieder sind es vermehrt Jugendliche, die Altersgenossen bedrohen, verbal und körperlich angreifen, Eigentumsdelikte begehen und sich gegen Einsatzkräfte wenden. Der Gelsenkirchener Polizeipräsident Tim Frommeyer sagt zu der Entwicklung in der waz von heute: „Wieder haben wir wieder eine Ermittlungskommission eingerichtet, die EK Strab.*** Natürlich werden wir auch hier wieder versuchen, mit präventiven Maßnahmen, zusammen mit den Kollegen der Jugendverwaltung, gegenzusteuern.“ Frommeyer betont aber auch, dass die Polizei den Auftrag hat, „stark und robust“ aufzutreten und die Straftaten aufzuklären. An die Seite der Pädagogik soll die Durchsetzung von Regeln, das Einhalten von Vorschriften und der Schutz des Eigentums und der körperlichen Unversehrtheit treten. Zudem soll die Chance erhalten bleiben, Jugendlichen die Möglichkeit der Resozialisation zu geben.
Interessant ist an den Ausführungen des Polizeipräsiden vor allem ein Punkt: Ohne, dass Frommeyer bereits detaillierte Zahlen nennen kann, weist er darauf hin, dass die Zahl der Gewalttaten wieder zugenommen hat.
Bewegen sich Max und Moritz noch in Bereichen, die nicht unmittelbar auf eine körperliche Bedrohung ausgelegt sind, hat sich dieser Aspekt in den Vordergrund geschoben. Raubüberfälle, so heißt es in der Überschrift des waz-Artikels, „sorgen erneut für Aufsehen“.
Es bleibt zu hoffen, dass eine „Einnordung“ der Tätergruppen dauerhaft gelingt!
***steht für Straßenbahn


