Scham ist ein mächtiges Gefühl. In den letzten Tagen habe ich mich privat geschämt. Wegen der öffentlichen Auftritte von Menschen, denen ich soziokulturell, politisch nah war, bin? Mit jeder Schamattacke entferne ich mich mehr und mehr meiner (ehemaligen?) Heimat.
Vor einigen Jahren schämte ich mich über Menschen meiner „Blase“, die einen von B.M. und mir initiierten offenen Brief nicht unterzeichnen wollten. Der eine sagte, dass Politiker ja nun die völlig falsche Adresse seien für solch eine Debatte. Gemeint hat er „du, ich werde doch nicht potenzielle Käufer meiner Bilder verprellen, die Stimmung ist für Krieg, Debatten schaden nur und ich brauche das Geld.“ Der andere sagte ehrlich, dass er zurzeit keine weitere Kundschaft verlieren kann und will.
So ist das. Wenn das Business und die Heimat in biegsamen Seilschaften wichtiger ist, als die nach außen verlautbarten Ansprüche und Maßstäbe.
Die Auftritte des Publikums und einiger Protagonisten im Schauspiel „Prozess gegen Deutschland“ machten mich verlegen, ja, ich habe früher auch hier und da Strauss, Schmidt niedergebuht. Vielleicht war und ist deshalb mein Schamgefühl so mächtig, weil die von sich selbst besoffenen Teilnehmer des Prozesses, mich an eigene Verhaltensdefizite erinnern. Vielleicht habe ich aber auch nur Angst vor diesen Menschen, die so selbstgewiss die „Demokratie“ zu retten glauben und Schritt für Schritt Wähler um Wähler in die Arme der AfD treiben.
Wer sich öffentlich so verhält wie Däubler-Gmelin oder diese Hamburger Anklägerin, deren Namen ich mir nicht merken will, arbeitet verbissen auf die Mehrheit der AfD bei den nächsten Wahlen zu.
Serdar Somuncu hat sich die Mühe gemacht, die Veranstaltung zu kommentieren.
Ich kann das nicht, werde die Scham nicht los.


