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Im wilden Osten

Für G. statt Gold & Geschmeide

„An meinem Geburtstag fahren wir in den Osten,“ bestimmte die beste aller Ladys.

„Hhhmm…“ rechnete ich den Spritpreis für die 1500 Kilometer durch und glich es mit den Obsessionen (Frieden durch brennende Raffinerien) der Irren Netanjahu, Trump und der Mullahs ab.

Mein rumänischer Dacia würde es wohl schaffen, meine Lendenwirbel nur vielleicht.

„Schande, Schande“ würden die woke-grün-links Bekannten in den sozialen Netzen skandieren. In Zeiten von Homeoffice, freiwilligem Tempo 80 und Verzicht auf unnötige Reisen, würden die Lifestyle-Radfahrer aus ihren Datschen in Holland, Fincas auf Mallorca oder Unterwegs aus Asien, Skandinavien, schlechte Haltungsnoten geben für meine CO₂-Bilanz.

„Ihr fahrt zu den Rassisten, Faschisten, Nazis in den Osten?“ – Entsetzen im Gesicht einer guten Bekannten. Offensichtlich grübelte sie darüber, die Bekanntschaft zu beenden. Sie war eine der hunderttausenden Guten Teilnehmenden an den Correctiv-Massenhysterie-Demonstrationen gegen die Remigration. Heute gehört sie zu den hunderttausenden Guten, die vom Sofa aus zusehen, wie der Bundeskanzler ratzfatz 80 % Remigration ankündigt.

Unterwegs große Solarfarmen und Windradplantagen. Viele Flügel im Stillstand, damit die Netze nicht verstopft werden oder die Nachbarstaaten Deutschland nicht den Krieg erklären, weil sie unsere Stromüberproduktion unter dem Preis abnehmen müssen und so ihre Wirtschaft ruinieren.

Halle

Zwischenstopp in Halle (Saale).

Viel Geschichte & Kunst. Viel historische Architektur neben luftigen Neukonstruktionen. Schockierend die fehlenden aus den Fenstern fliegenden Möbel, die frei vagabundierenden wilden Müllhalden, die auf dem Boden klebenden zerkauten Gummis.

Leerstand? Ja.

Städtische Anmutung? Ungewohnt. Fremd und gleichzeitig verwandt. Ähnliche industrielle Geschichte wie Gelsenkirchen, Tagebau, Tiefbau, 14 % Ausländeranteil, was mir, als jemand der in einem türkisch-arabisch geprägten Umfeld lebt, aber nicht auffällt. Ein buntes Deutschland, ohne eine dominierende Farbe oder einen dominierenden Dresscode.

Die Menschen geschäftig, aber nicht hektisch. Bettel-Punks mit Hunden, Junkies, Alkies, nichts Unbekanntes. Sie scheinen nur freundlicher zu sein.

Ein geschichtsträchtiger Ort, ich bekomme aber keine emotionale Beziehung.

 

Leipzig

Ich fühle mich klein. Eine Stadt der Villen, der Großbürgerhäuser, der Alleen, Prachtstraßen, Promenaden, Arkaden, der Szeneviertel. Geschichte überall. 20 % Ausländeranteil. Wo? Ich erkenne keine Dominanz im Stadtbild. Die Menschen freundlich, aber zielgerichtet unterwegs. Die Lady gibt mir Nachhilfe. Sie hat einen Blick für Dresscodes, für Stoffe, für Trends und weiß, wer touristisch unterwegs ist oder autochthon.

Ich ertrinke in Eindrücken. So geht also Stadt. Gegensätze. Widersprüche. Als Einheit. Statt 100 Meter gentrifizierter Bochumer Straße Gelsenkirchen, 2,5 Kilometer „Hypezig“ der Karl-Liebknecht-Straße mit ihrem schrullig-lautem-urban Gehabe. Vertraut die uniformen Losungen. Fuck dies & das, her mit der Staatsknete.

Leipzig ist spannend. Keine Stadt für ein oder zwei Tage.

 

Görlitz

Ohhhhhhh.

So viel Altstadt, restauriert, so viel Geschichte, so viel Depression. Görlitz hat einen Bahnhof, der allen Fans des alten Gelsenkirchener Bahnhofs ein Wallfahrtsort sein müsste.

Dunkel, ramponiert, disfunktional. Die Türen öffnen sich nicht automatisch in seitlichen Versenkungen, sondern schlagen dir direkt ins Gesicht, so wie die Älteren es vom romantisierten GE-Bahnhof kennen. Auch hier gilt: Das müssen sich die Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft erst einmal trauen, dem Bürger, dem Kunden, eine solche abgewrackte Infrastruktur vor die Nase zu setzen, ohne deshalb in einer weiße Folter Zelle zu enden. Der einzige Lichtblick: ein paar Jugendliche, klassische Neonazis mit typischem Outfit, die da böse Blicke werfend, die schmalbrüstigen Schultern spreizend, raumgreifend die Türen überwältigten. Na ja, da haben unsere Ultras aber mehr drauf.

Die Einkaufsstraße typisch für eine überalterte Stadtgesellschaft. Leerstand. Moribunde Agonie. Die Altstadt: wunderschön. Vielleicht weil die Touristen fehlen, vielleicht weil es keine Restaurants, Kneipen, Läden, Eisdielen, Musikanten, Bettler gibt?

Dafür hat Görlitz aber regen Tanktourismus nach Polen.

Niesky

„Gewähr mir eine Bitte.. “ Flehte ich die allerbeste aller Ladys an.. „wenn wir schon durch die Länder der Demokratiezerstörer, der Heimat der Putin-Lover, dem Hort der Alt- und Neonazis, der Rassisten, Faschisten und sonstigen bösen Buben fahren, so lass uns bitte auch das Sektenstädtchen Niesky besuchen.

Aus Gründen.

Dort siedelte sich ein Abzweig der Herrnhuter an. Später hatten die eine Nazi-Nähe. Waren aber auch Renegaten. Ideologisch vernagelte Freigeister. Im Heimatmuseum nette Sachen, die mich an meine Kindheit, meine Schulzeit mit Sütterlin erinnerten. Erstaunlich viele Berühmtheiten kamen aus diesem Ort.

Konrad Wachsmann fertigte dort seine Holz-Bau-Fertighäuser an, unter anderem für Albert Einstein.

Heute ist es eine verschlafene Kleinststadt, ohne den früher florierenden Waggonbau, dafür aber mit vielen zugereisten Rentnern.

 

Fürst Pückler (Murgau)

Irgendwie fanden wir dann auch einen Parkplatz, um irgendwo in irgendeiner Ortschaft auf Pücklers Spuren zu wandeln. Für mich als begeisterten Republikaner und Demokraten natürlich ein absolutes „No Go“ diesen Typen toll zu finden. Ich meine, es war Murgau. Dieser Park, wo man ständig zwischen Polen und Deutschland wechselt, ohne es zu merken. Wo man belustigt die im Winde wehenden Statuen auf dem Schlossdach des Parkes als Blaupause für Game of Thrones Szenen abtun kann.

Der Mann hatte mehr drauf. Viel mehr, als wir in der kurzen Zeit wahrnehmen oder würdigen konnten. Sein Eis ist noch bekannt. Die wichtigeren Taten nicht.

Heute wäre der Mann mindestens Influencer mit 5 Millionen Follower. Oder 20 Millionen.

 

Erfurt

„Ach“.. sachte die wunderbare und beste Lady… „wenn wir müssten und das Geld hätten, dann sollten wir doch nach Erfurt ziehen.“

(Entsetzt denke ich.. zu den rassistischen, Demokratie zerstörenden Nazis? Sage aber nix)

„Das hier hat das Flair von Leipzig, ohne großstädtisch zu sein, die Anmutung einer Kleinstadt, ohne spießig zu sein“  – „ja“.. grummel ich… sage aber nicht, dass Erfurt Mafia Hauptstadt ist.

Ich suche Gründe, um den ausstehenden Umzug abzuwenden.

Keine erkennbare Verslumung, Vermüllung. Auffallend gute Infrastruktur, also viel Geld, das dort hingeschickt wurde. Nette, höfliche Menschen.

Ich werde unruhig.

Wie soll ich den Umzug abwenden?

„Aber schau mal, die DKP und die MLPD sind hier praktisch eine Partei.“

„Na und?“

„Hier gibt es auch immer Überschwemmungen.“

„Wir ziehen in den ersten Stock.“

„Die Menschen hier fühlen sich noch der Allmende, der sozialen Verantwortung verpflichtet…“

„Ach………………………………………………………………..“

 

 

 

 

 

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