Herr Creosote und andere Beilagen ODER ist Präsident T. nur dick oder auch noch doof?
Die wenigsten Kinobesucher nicht-englischer Muttersprache werden auch nur eine Sekunde darüber nachdenken, welche Bedeutung das Wort CREOSOTE hat. Der englische Begriff bezeichnet eine teerartige, zähflüssige Substanz (Teeröl), die zur Imprägnierung von Holz oder zur Isolierung verwendet werden kann. Dass Herr Creosote nicht nur unappetitlich aussieht, machen schon zu Beginn der Szene die Fische im Aquarium deutlich, die sich alle verstecken, weil sie nicht auf dem Teller des feinen Herrn landen wollen.
Es gibt so viele großartige Passagen in dem kleinen Meisterwerk: Die Gelassenheit der Putzfrau, über die der feine Herr seinen Strahl Erbrochenes ergießt, während sie den Teppichboden säubert. Die Selbstverständlichkeit, mit der der Kellner sämtliche Absonderlichkeiten der Speisekarte herunterbuchstabiert, ist ebenso zum Naserümpfen wie das übertriebene, gestelzte (auf Edel gemachte) Verhalten der Gäste. Eine solche Stimmung kann sich nicht anders als in einer gewaltigen Explosion entladen, für die der Verzehr eines Minze-Plättchens (After Eight?) durch den dicken Namensgeber der Szene der Auslöser ist.
Aber was hat das alles mit Präsiden T. zu tun? Auf den ersten Blick nichts, rein gar nichts!
Aber beim nochmaligen Schauen der Szene habe ich ständig den Kopf des Präsidenten auf dem Hals von Herrn Creosote gesehen, der mindestens so ungehobelt, ich-bezogen und unterschwellig aggressiv ist wie der „Führer“ der westlichen Welt! Dessen hervorstechendstes Merkmal aber seine Sprunghaftigkeit ist. Was er heute betont und ankündigt, wirft er am Folgetag auch schon einmal gerne über den Haufen unter dem Motto „rein inne Kartoffel und raus ausse Kartoffeln“ oder auch „heute hüh und morgen hott“. Was ihm offensichtlich völlig abgeht, ist so etwas wie Verlässlichkeit und Beständigkeit. Dafür gibt er Stimmungsschwankungen, einem Mangel an Übersicht und Planung und voluntaristischem Entscheiden viel Raum. Will er heute noch raus aus der NATO, hat er das am Folgetag schon wieder vergessen. Droht er gestern noch dem Iran mit dem Auslöschen ihrer Kultur, macht er heute schon Geschäfte mit den fusselbärtigen Diktatoren.
Vielleicht ist aber genau das seine Strategie, sein politisches Programm: Die Sprunghaftigkeit eines Mannes, der sich selbst als „der Größte“ sieht.
Noch vor Muhammad Ali!
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Herr Creosote ist eine ikonische, extrem fettleibige Figur aus dem Monty-Python-Film „Der Sinn des Lebens“ (1983), gespielt von Terry Jones. In dem berühmten Sketch isst er in einem Restaurant bis zum Explodieren, nachdem er ein „hauchdünnes Minzplättchen“ zu sich genommen hat. Die Szene wurde 1982 im Porchester Centre in London gedreht.
Szene mit Herrn Creosote:


