George Orwell, „1984“ und die Dreiteilung der Welt
Zu den bekanntesten Werken von George Orwell gehört unzweifelhaft der 1949 erschienene dystopische Roman „1984“, den Orwell 1946/1947 während seines Aufenthaltes auf der Insel JURA vor der schottischen Küste verfasst hat. Der Titel ist ein Zahlendreher, denn die Jahreszahl „1984“ ist ein schlichter Verweis auf eine nahe Zukunft (1948 – 1984) in einem totalitären Staat, der seine Bürgerinnen und Bürger umfassend kontrolliert, sie überwacht, ihr Bewusstsein verändert (mit und ohne Folter), sie entpersonalisiert und von einem anonymen „Großen Bruder“ regiert wird.
Der Roman ist auch eine Art „Liebesroman“, der die Unmöglichkeit wahrer Liebe in einer Diktatur aufzeigt, und die bedrohliche, menschenfeindliche Atmosphäre thematisiert, in der das Misstrauen und die Angst vor Bespitzelung allgegenwärtig sind. Die Geschichte spielt in einer dreigeteilten Welt, deren drei Kontinente sich in einem immerwährenden Krieg miteinander befinden. Neben der inneren Zurichtung der Menschen gibt es also auch äußere Konflikte zwischen den drei Staatenverbünden, die neben der geistigen Kontrolle auch die Funktion haben, die Menschen an der Kandare zu halten, sie atemlos zu machen.
Die männliche Hauptfigur ist – ein Allerweltsname – WINSTON SMITH, dessen Aufgabe es ist, durch (nachträgliche) Korrekturen von Zeitungsartikeln im „Ministerium für Wahrheit“ die Gegebenheit der Diktatur schönfärberisch an die jeweils aktuelle Linie der „Partei“ anzupassen – er ist Staatsdiener, der Kontrolle ausübt, aber selbst kontrolliert wird. Er verliebt sich in seine Kollegin JULIA und sie beginnen mit dem Versuch, sich, was aber unmöglich ist, Inseln der Freiheit in einem System der Unfreiheit zu schaffen. Sie stellen das System in Frage, schaffen sich Momente der Zweisamkeit und scheitern schließlich. Winston wird in Gefangenschaft unter Folter mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert und zu einem Gebrochenen. Die diktatorischen Strukturen sind allgegenwärtig: BIG BROTHER IS WATCHING YOU!
Der ungewöhnlich große Erfolg des Romans (und ebenso der Verfilmung) beruht darauf, dass wir – ob berechtigt oder nicht – in unserem Leben als Individuen immer wieder Elemente entdecken, die wir an das „wirkliche Leben“ ankoppeln können – unabhängig von den politischen oder gesellschaftlichen Gegebenheiten! Der Erfolg des Romans beruht also (auch) auf seinem Wirklichkeitsbezug, den wir herstellen können – unabhängig von dem System, in dem wir leben. Ob STASI in der DDR, Geheimdienste in den USA, in Deutschland oder Russland und China, ob Versuche der geistigen Manipulation durch FAKE NEWS oder den alltäglichen Strom von Nachrichten oder das Absaugen von Daten aller Art: 1984 ist alltäglich geworden!
George Orwell, darauf habe ich eingangs bereits hingewiesen, führt uns aber nicht nur die Methoden der täglichen Überwachung, die sprachliche Meinungsformung und manipulativen Beeinflussungen vor Augen, sondern er bettet die Geschichte von WINSTON SMITH und JULIA auch in eine politische Großwetterlage ein, die – bei Vernachlässigung aller Details – auch auf unsere Gegenwart noch (oder schon wieder) zutrifft.
Orwells Welt ist dreigeteilt und besteht aus miteinander verfeindeten Blöcken oder Staatenverbünden: Ozeanien, Eurasien und Ostasien. Diese drei Blöcke befinden sich im permanenten Krieg miteinander, wenn auch in unterschiedlichen und wechselnden Koalitionen. Die Handlung des Romans ist in Ozeanien verortet, das Nord- und Südamerika, die britischen Inseln, Australien und Teile Afrikas umfasst. WINSTON SMITH lebt im „Landefeld 1“, das für England steht. Die Parteielite (Innere Partei) führt die restlichen Parteimitglieder (Äußere Partei) an und beherrscht die Masse des Volkes, die „Proles“.
Man wird unschwer hinter dieser dreigeteilten Welt die großen Blöcke USA, Russland (das sich seit rund vier Jahren in einem Krieg befindet) und China erkennen können. China erhebt Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer und setzt sich auch in militärischen Operationen über internationale Regelungen zu Fischereizonen hinweg. China „teilt“ sich das Meer mit den Küstenstaaten Indonesien, Malaysia, Philippinen, Taiwan und Vietnam, erhebt allerdings Ansprüche auf Inseln, die eigentlich philippinischen Fischern als Fanggründe zustehen, hat mehrere Inseln als militärische Stützpunkte ausgebaut und operiert über seine Küstenwache und Flotte in diesem Meer. Russland wiederum möchte sich Teile der Ukraine einverleiben, will dem Land verbieten, Teil der NATO zu werden, verlangt die Reduzierung der Truppenstärke der Ukraine und hat Teile des ukrainischen Staatsgebietes annektiert. Die USA führen im Moment unter der Flagge des Kampfes gegen Drogenschmuggel eine „Kanonenbootpolitik“ in ihrem lateinamerikanischen „Hinterhof“ und haben selbst Stützpunkte auf den Philippinen und anderen Orten der Welt.
Man könnte diesen Aspekt des (vor-militärischen) Kampfes um die Vorherrschaft noch um zahlreiche Beispiele erweitern, etwa den Ausbau der „Neuen Seidenstraße“ durch China, die Ausspähung der Bundesrepublik durch Drohnen und Agenten der russischen Machthaber, die militärische Präsenz der USA in weiten Teilen der Welt, die Rivalität im Weltraum, die Wiedereinführung (von Vorformen) der Wehrpflicht, die Ausbeutung von Rohstoffen in der Arktis und der Kampf der „Supermächte“ dort, der noch keine militärischen Formen angenommen hat.
Ausgangspunkt dieser Betrachtungen und sicherlich in Teilen durchaus spekulativen Einschätzungen war aber „Literatur“, nämlich Orwells Roman „1984“ über eine Diktatur, die in das Leben der Menschen ungebremst und anonymisiert eingreift. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dabei zumeist das Schicksal der Protagonisten WINSTON und JULIA.
Orwell hat es aber verstanden, das Schicksal seiner Protagonisten auf eindringliche Weise mit der Kritik an einer gesellschaftlichen Entwicklung zu verbinden, die den Einzelnen seiner Freiheit beraubt und zugleich einen gesellschaftlichen Entwurf zu gestalten, der mehr als bedrohlich ist!




na ja… passender wäre wohl eine Melange aus Jack Londons „Eiserner Ferse“ (geschrieben 1908 – eine globale Elite schützt ihre Macht durch Gewalt, Ideologie, Überwachung, wirtschaftlicher Kontrolle) George Orwells „1984“ (totalitäre Überwachungs- und Gedankenkontrollstruktur, Sprachmanipulation) und der Herrschaft durch die Algorithmen von Musk, Bezos, Gates, Zuckerberg etc.
Je nach Bedarf werden dann Kriege geführt oder nicht. Werden Vorwände in die Gehirne gewaschen oder nicht. Zurzeit überall weißes Rauschen auf der Frequenz „Krieg ist unvermeidbar“