Aus der besten aller Welten (38)

Anarchie, Wilder Westen und Einen Stock im Arsch haben

 Geht das überhaupt zusammen?

Anarchie und eine allgemeine Definition (laut WIKIPEDIA): Anarchie bedeutet wörtlich Herrschaftslosigkeit und beschreibt einen Zustand ohne staatliche Gesetze, Regierung oder feste Führungspersonen. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen (anarchos = „ohne Oberhaupt“). In der Alltagssprache wird das Wort oft mit Chaos und Unordnung gleichgesetzt, während es in der Politik als freie Ordnung ohne Zwang verstanden wird.

 Wilder Westen und eine allgemeine Definition (laut WIKIPEDIA): Der Wilde Westen bezeichnet die Region westlich des Mississippi, die von etwa 1865 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts von weißen Siedlern erobert und besiedelt wurde. Das echte Leben war geprägt von harter Arbeit, einfachen Siedlern und Viehzucht, und unterschied sich stark von den Mythen aus Filmen. 

 Einen Stock im Arsch haben (laut WIKIPEDIA):

-etwas viel zu ernst nehmen

-keinen Sinn für Humor haben

-keinen Spaß verstehen.

Schon nach diesen schmalen Erläuterungen wird deutlich, dass da etwas nicht zusammenpasst. Auch wenn die Begriffe in einem Artikel gemeinsam auftauchen (WAZ, Lokalteil GE vom 5.8.2026, S. 1). Ist die Anarchie, jedenfalls als politischer Begriff gedacht, eine freie Ordnung ohne Zwang, herrscht im Wilden Westen demgegenüber eher das „Gesetz des Stärkeren“. Und wer einen Stock im Arsch hat, ist ein verklemmter Paragraphenreiter, humorlos und ohne Verständnis für (Selbst-)Ironie.

Die drei Redewendungen bzw. Begriffe tauchen in einem Artikel der heutigen WAZ (Lokalseite GE) auf, der einen Blick auf die Ückendorfer Straße richtet und behauptet, dass „alteingesessene Anwohner“ resignieren. Der Artikel begleitet Michael und Nils durch ihr Wohnquartier, wobei Ausgangs- und zugleich Mittelpunkt der „LIDL“ am Festweg 1a ist. Die WAZ schreibt: „Der 500-Meter Radius um den Supermarkt ist deswegen so beispielhaft für Gelsenkirchen, weil hier Problemhäuser und schicke Wohnviertel nicht weit auseinanderliegen.“ (WAZ)

Glaubt man den beiden Ückendorfern Michael und Nils, sind viele Bewohner bereits „entpolitisiert“, was meint, dass das Interesse an der politischen Auseinandersetzung und der Beteiligung an Problemlösungen längst einer Gleichgültigkeit und einer Ergebenheit den Zuständen gegenüber gewichen ist: „Es dürfte genug geben, die sich einen feuchten Kehricht schämen um die Putz-Videos (der AfD, BM), um Sprüche zu ihrer Herkunft. Aber auch welche, die getroffen werden von Diskriminierung und Alltagsrassismus. Denen es etwas ausmacht, wenn sie ´Zigeuner´ genannt werden.“

Auch bei den beiden Ückendorfern ist deutlich eine Resignation zu bemerken, wenn Michael mit dem Satz zitiert wird: „Das ist es, was ich geboten bekommen in meiner Heimat. Ich muss diesen Niedergang mit anschauen.“

Die „Politik“ (eigentlich müsste es aber heißen: die Parteien bzw. Fraktionen im Rat der Stadt) greift, um die Situation in Ückendorf zu „beruhigen“, zu den „Standardmitteln“: mehr Präsenz der Polizei und des Kommunalen Ordnungsdienstes. Und laut Stadtsprecher Schulmann zeige die vermehrte Präsenz in und um die Brennpunkte in Ückendorf bereits Wirkung.

Dass sich die Probleme dadurch aber lediglich verlagern in andere „Brennpunkte“ der Stadt, sagt er allerdings nicht.

Der Redakteur der WAZ schafft es tatsächlich, eine der Kernfragen des Problems, nämlich wie man die Masse an Zugewanderten dauerhaft integrieren kann – falls das überhaupt geht – geflissentlich außen vor zu lassen. Er wirft noch nicht einmal die Frage auf, ob eine (relativ arme) Stadt wie Gelsenkirchen das Bündel von Problemen (Armut, Analphabetismus, Schrottimmobilien, mangelhafte oder nicht vorhandene Deutsch-Kenntnisse etc.) überhaupt aufschnüren kann. Stattdessen entlässt er uns aus der Problematik mit einem herzerwärmenden Bild: ein Mädchen mit süd-ost-europäisch aussehenden Eltern grüßt Nils und Michael mit einem freundlichen „Halloooo“! Das komme bei deutschen Kindern kaum mal vor. Michael sagt: „Die (Deutschen) haben häufig einen Stock im Arsch.“

Gut zu wissen: Wir müssen eben einfach die Stöcke aus unseren Ärschen ziehen!“

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