Es gibt ja Tage, die zaubern ein Lächeln in die Grundstimmung. So präpariert musste ich schmunzeln, als ich zufällig Professor Ganteförs launige Erläuterungen über den uns bevorstehenden Bürgerkrieg hörte.
Hörte!
Nicht sah.
Ich dachte zuerst, es gäbe eine neue Kabarettsendung, die per künstlicher Intelligenz Adolf Tegtmeier wiederauferstehen ließ.
Jürgen von Manger referiert humorig über den Absturz Europas?
Hmm.. da muss ich mal zum Monitor und mir das anschauen.
Ach so. Es ist ein Schweizer mit sprachlicher Ruhrpottfärbung.
Alles gut. Ich bin beruhigt.
Nun kann ich weiter amüsiert schauen, was die Wahlkämpfer wieder geloben. Hier vagabundierende Einkaufswagen einsammeln, da wilde Müllkippen verschieben, dort die Innenstadt beleben, hier ein Elterntaxiverbot, ja… die drängenden Probleme werden gelöst.
Was will dieser Toblerone Prof? Bürgerkrieg? Wir haben Elterntaxis und lungernde Einkaufswagen.
Na ja, hier ein bisschen Schusswechsel, da ein paar Stiche in Beine und Rücken, aber: viel Grün.
So… dann schauen wir mal, ob es in spätestens 5 Jahren tatsächlich zu Hauen und Stechen kommt.
Ich freue mich auf die Erklärungen der üblichen Verdächtigen, die mitten im Amok laufenden Mob weiter erzählen werden, dass das um sie herum Einzelfälle sind und dass alles gut wird mit einer Armlänge Abstand oder einer freundlichen Ansprache. Nicht von oben herab. Auf Augenhöhe. Mit Respekt.
Friede den Hütten, Krieg den Palästen!




Geboren in Leipzig, aufgewachsen und sozialisiert in Dortmund, Sprache und Bodenständigkeit lebenslang mitgenommen. Soweit zum Thema, dass Herkunft keine Rolle spiele. Im Gegenteil: die wird man nie los.
oder auch: man kann einen Menschen aus dem Ghetto holen, das Ghetto aber nicht aus ihm.
Das fest verankerte Minderwertigkeitsgefühl der Gelsenkirchener ist und bleibt ihr Alleinstellungsmerkmal.
Entwurzelte Landarbeiter aus Ostpreußen, Polen etc. wurden übergangslos versetzt in Berg- und Stahlwerke, in eine Welt der Stechuhren, Hochöfen, in Lärm, Ruß, Staub, Dreck, Feuer, Dunkelheit, Maschinen, die ihre Körper und Seelen fressen konnten.
Belächelt und gefürchtet zugleich vom Bürgertum in den „besseren“ Städten.
Diese Entwurzelung, diesen Verlust von eigener Kultur, bekommst du auch nicht geheilt durch neue Mythen wie die vom ehrlichen Kumpel und Malocher, oder noch aberwitziger, wie die vom „Malocher“ Verein S04. Der war über Jahrzehnte zwar identitätsstiftend, da hat man als Spieler aber noch 5 Mark verdient und ne Kiste Bier für ein gewonnenes Spiel bekommen. Längst Geschichte.
Die heutigen Versuche der „guten“ Stadtgesellschaft ideologisch an die Integrationsleistung der Industrialisierung anzuknüpfen, sind gescheitert. Weil Arbeit fehlt. Weil eine gemeinsame Erzählung fehlt. Weil die Zuwanderer dank moderner Kommunikationsmittel gedanklich in ihren Herkunftsländern bleiben können. Weil die Mobilität Verwurzelung verhindert.
Die neue „Street-Smartness“ – erschummeln von Sozialleistungen, Abbruchhaus-Goldmining, Geldwäsche-Manufakturen in Barber-Shops, Kiosks, Drehspieß-Restaurants etc. ersetzt allerdings auch nicht das fehlende Bürger(tum) Selbstbewusstsein.
Wohl dem, der demnächst eingebunden ist in Großfamilien, statt auf staatliche Leistungen zu setzen.