Fritzchen war schon als Kind im Mutterleib groß, sogar sehr groß. Nach seiner Geburt und auch als Kind und Heranwachsender war er groß, sogar sehr groß. Seine Eltern, die aber eher kleinwüchsig waren, meldeten Fritzchen in einem sauerländischen Basketball-Verein an, denn schon als Pubertierender reichte er mit dem Ball bis an den Korb, ohne auch nur den Ansatz eines Sprunges zu zeigen. Weil er einen Ball nach dem anderen im Korb versenken konnte, hatten die anderen Kinder und Jugendlichen, die alle normal groß gewachsen waren, bald keine Lust mehr, mit ihm zu spielen. So meldeten seine Eltern das Fritzchen flugs wieder ab – Schluss, aus, fertig mit Basketball. Fritzchen murrte und maulte nicht. Denn er hatte mittlerweile ganz andere Pläne. Er wollte nämlich Politiker werden – am besten Parteivorsitzender und Kanzler.
Zwar hatte er nicht wirklich Ahnung, was es mit diesen komischen Berufen auf sich hatte, aber immerhin meldeten seine Eltern Fritzchen bei dem Ortsverein einer christlichen Partei an. Dort machte er auch schnell Karriere – er begab sich auf die Ochsentour. Ortsvereinssprecher. Kreiskassierer. Mitglied im Vorstand des Regionalverbandes. Organisator der jährlichen Tombola.
Fritzchen zog es bald in die Hauptstadt. Er wurde dort aber von einer Frau ausgebremst, die selbst eher kleinwüchsig war, dafür aber breithüftig. Und sie trug am liebsten Sakkos, so dass nicht immer deutlich wurde, ob sie eher ein weibliches oder männliches Exemplar ihrer Gattung war. Außerdem punktete sie mit vielen Fotos, die sie beim Empfang von Vertretern fremder Kulturen zeigten. Besonders wenn diese gerne auch mal unrasiert waren (Männer und Frauen)! Bekannt wurde sie durch ein Wahlplakat, das sie in einer unaufgeräumten Küche zeigte. Sie hatte einen frisch gewaschenen Teller in der Hand, lächelte in die Kamera und sagte in einem biederen Tonfall: „Wir schaffen das!“
Fritzchen musste sich lange gedulden, bis die Frau ihr Amt niederlegte und zu Fritzchen sagte: „Jetzt kann es der Gernegroß ja mal versuchen!“ Fritzchen kochte innerlich vor Wut, ließ es sich aber nicht anmerken. Er ging nach Hause und drosch auf seine Kanzlerinnen-Puppe ein, die er sich angeschafft hatte, als er mal wieder in einer seiner melancholischen Phasen versunken war. Als er seine Puppe ausreichend genug verdroschen hatte, ließ er von ihr ab, zog sich seinen staatsmännischen Anzug an, dazu ein weißes Hemd, blank geputzte Schuhe. Und dann band er sich die Krawatte im bundesrepublikanischen Schwarz-Rot-Gold um und sagt zu sich: „Endlich geschafft!“
Na, wenn er sich da mal nicht getäuscht hatte!
Denn jetzt hatte er die Sozi-Pocken am Hals, mit denen er eine Koalition eingehen musste. Der blasse Jüngling, der als Kassenwart fungierte, war noch gut zu ertragen. Man musste ihn einfach labern lassen. Aber die Frau! Die war ähnlich breithüftig wie Fritzchens Vorgängerin. Aber vor allem: Sie hatte von der alten Schabracke die Liebe für männlich geschnittene Sakkos geerbt. Zum Reihern!
Aber was noch schlimmer war: Die Sozen verschleppten die großartigen Reformen, die er sich ausgedacht hatte, so gut es irgendwie ging. Und die Sakko-Frau grinste dabei auch noch blöd in die Kameras!
Aber was noch viel schlimmer war als das Sozen-Gegrinse: Eine Landtagswahl nach der nächsten ging in die Hose. Selbst die Frau gegen Blau kam nur auf den zweiten Platz, und in Berlin geriet die Wahl zu einer Katastrophe für seine Partei. Dort wurde sie im Grunde nur noch von Menschen gewählt, die eigentlich schon lange den Abgang hätten machen müssen. Nur noch von Untoten wurde seine Partei gewählt!
Aber er hatte doch gerade erst verkündet, er wolle Kanzler und Parteivorsitzender bleiben!
Gut, dass er kein Datum für seinen Abgang genannt hatte!




Mitten in die ersten Wahlergebnis-Projektionen zweier Landtagswahlen hinein, kurz nach 18.00 Uhr auf allen Sendern. Der Zeitpunkt weckte gewisse Erwartungen an das, was verkündet werden sollte. Wichtig, wegweisend, wummsig. Und dann kam das.
Er spulte die Wahlergebnisse der CDU aus allen Wahlen ab, die im einfielen, bedauerte die Kandidaten angesichts der schwierigen Lage, sprach über Reformen, die angeblich beschlossen seien, sagte sinngemäß: „Ich bin der Bundeskanzler und der Parteivorsitzende“ – bedankte sich bei wem auch immer und ging wieder.
O-Ton: „Bla bla, blablabla bla, die Ergebnisse, Bla bla – schwierige Situation, blabla – die Kandidaten, bla bla, wir wissen, wie schwer blablabla ist. Blabla bla Blabla, Reformen, blablabla bla. Ich würde blablabla gern und müsste eigentlich blablabla, ich sollte blablabla Blablabla, und auch Blabla sowie Bla blablab, wenn blablabla. Vielen Dank.“
Er wird wohl nun Meldeläufer in den Schützengräben an der Ostfront.
Meldeläufer im Schützengraben? Als KDV kenne ich mich da nur so grenzwertig gut aus, aber ist eine hochgewachsene Statur nicht eher hinderlich im Schützengraben? Und dann auch noch Läufer? Und dann auch noch die Pinocchio Nase!?
Höre ich da Vorurteile aus der Diskriminierungs-Klamottenkiste? Bodyshaming? Ableismus? Lange Arme können auch Drohnen vom Himmel pflücken, Lügenprofis können listig Gegner, Feinde täuschen, also bitte!
Herr Kules als Fortbildungsmedium, Respekt.
Ableismus, zum ersten Mal gehört, gleich bei Wikipedia nachgeschaut.
Und wieder was gelernt.
Den „Vorwurf“ des „Bodyshaming“ weise ich allerdings mit Nachdruck zurück. Ich bin selber 1,98m lang (ob ich groß bin wird die Geschichte schreiben) und war in den 60ger Jahren mal eine Zeit lang Trainingspartner von Uli Sledz (2,13m) bei der BG/Eurovia Buer. Uli war (nach seinen Aussagen) der erste deutsche Basketballer (lange vor Dirk Nowitzki), der als Profi in der NBA gespielt hat (Details schaut der geneigte Leser bitte selbstständig bei Wikipedia nach).
Und ist das mit dem Drohnen vom Himmel holen nicht eins dieser Märchen, dass vor kurzem am Leipziger Flughafen geschrieben wurde?