Heute mit der Frage: Was ist historisch?
Historisch? Zeitenwende? Beginn eines neuen Zeitalters? Mit großer Vergangenheit? Oder gar geschichtsträchtig?
Hören wir doch einmal hin, was unser Landesvater zu sagen hat:
„Ein historischer Rückhalt für eine Bewerbung Deutschlands kommt aus Nordrhein-Westfalen“.
Wer selbst keine politische Statur hat, ist schnell bei der Hand mit dem Begriff „historisch“! Das liegt in etwa auf einer Wellenlänge mit dem Andy Möller angeklebten Zitat: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“.
Worauf sich der schöne Hendrik bezieht, ist die Abstimmung in Nordrhein-Westfalen zur Bewerbung um die Austragung demnächst festgelegter Olympischer und Paralympischer Spiele. Aber da ist es ja so, dass sich noch drei andere bundesrepublikanische Metropolen bewerben wollen, nämlich außer den Rhein-Ruhr-Städten mit Köln an der Spitze die Metropolen Berlin, München und Hamburg. Daneben treten noch internationale Metropolen an, die auch gerne ´mal ein paar Millionen für Eigenwerbung versenken wollen. Welche deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Spiele ins Rennen gehen kann, ist also noch völlig offen.
Man kann die Sache aber auch klein kochen, indem man einfach ´mal darauf schaut, wie es mit der Stimmbeteiligung ausgesehen hat. Und da kann man mit Fug und Recht sagen: In NRW ziemlich mau! Die hohen Zustimmungswerte von 60 bis 70 Prozent in der Spitze erfolgten auf einer Wahlbeteiligung von – nach Gemeinden unterschiedlich – grob 30 Prozent. Da klingt eine Aussage wie diese fast wie Hohn: „Zwei Drittel Zustimmung – das ist etwas Schönes als Message.“ (Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen-Sportbundes)
Aber ist eine lapidare Abstimmung mit äußerst geringer Beteiligung der Befragten tatsächlich etwas HISTORISCHES? Wird da nicht etwas zu viel auf den verbalen Putz gehauen? Wäre nicht etwas mehr Bescheidenheit (und vielleicht Demut) angemessen? Man stelle sich nur einmal vor, dass die Bevölkerung überhaupt kein Interesse daran hat, die eigene Region auch noch mit den Kosten für die Ausrichtung des Großereignisses zu belasten!
Man kann auch einmal überlegen, was denn überhaupt dem Anspruch, „historisch“ zu sein, genügen könnte. Aus all den Ereignissen nach Ende des II. Weltkrieges und der Befreiung vom Faschismus samt der Befreiung der Konzentrationslager fällt mir die großartige Geste Willy Brandts aus dem Jahre 1970 ein. Brandt war gerade zum Kanzler gewählt worden – und seine Geste war der erste Besuch eines deutschen Kanzlers in Polen und sein Niederknien vor dem Denkmal für die Aufständischen des Warschauer Ghettos.
„Der Kniefall von Warschau ereignete sich am 7. Dezember 1970 in Warschau, der Hauptstadt der Volksrepublik Polen. Der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt besuchte die Stadt, um dort den Vertrag zu unterzeichnen, der das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und der Volksrepublik regeln sollte. Teil des Staatsbesuchs war eine Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Helden des Warschauer Ghettos. Dort sank Brandt unerwartet auf die Knie, eine Geste, die als Bitte um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs verstanden wurde.“ (WIKIPEDIA)
https://www.planet-wissen.de/video-der-kniefall-von-warschau-100.html



