ELEVATOR´S GOING UP! (157)

Heute mit der Frage: Was hat uns ein Jahr Fritze gebracht?

 Der Satz, der Angela Merkel über Friedrich Merz zugeschrieben wird, lautet „Der kann das nicht!“ Das eher am linken Rand publizierende Magazin „ÜBER RECHTS“ schreibt über die gegenwärtige Krise der CDU/CSU und Friedrich Merz:

Ein Jahr nach Amtsantritt steht Merz von allen Seiten erheblich unter Druck. Die Union liegt in Umfragen deutlich hinter der AfD; seit Monaten versuchen insbesondere rechte und wirtschaftsliberale Medien einen Koalitionsbruch herbeizuschreiben und Merz zu motivieren, es lieber mit einer Minderheitsregierung zu versuchen. Die Chancen, dass Merz nicht einmal das Jahr 2026 als Kanzler überlebt, steigen auch auf den Wettplattformen. (…) Der entscheidende Unterschied zwischen Merkel und Merz ist also kein ideologischer, auch kein strategischer, sondern ein struktureller: Merkels Stabilitätskurs funktionierte nur unter günstigen ökonomischen Bedingungen. Ihre Kanzlerschaft profitierte von einer Phase globalen Wirtschaftswachstums, das Deutschland als Exportnation überproportional zugutekam. Dieses Modell trägt aber nicht mehr.“

(https://www.ueberrechts.de/p/ein-jahr-merz-als-kanzler)

Nun mag man diese Position nicht teilen, zumal sie unter dem Motto „Folge der Spur des Geldes“ segelt, aber im Kern ist der Ansatz richtig: Deutschland steht vor großen ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen, ist aber gleichzeitig in einem ökonomischen Tief gefangen und noch dazu, angesichts einer wachsenden AfD, politisch gespalten, zumal sich in der Koalition zwei Parteien zusammengetan haben, die von völlig unterschiedlichen ordnungspolitischen Vorstellungen her kommen. Dabei tritt die SPD vornehmlich als Simulant der Vertretung der Interessen der „kleinen Leute“ auf, hat aber ihr Klientel längst aus den Augen verloren, wogegen die CDU/CSU vordergründig als Saniererin des Staatshaushaltes agiert, gleichzeitig aber die Fahne schwenkt, auf der als Slogan „Sondervermögen“ gestickt ist.

Wenn Merz ein Jahr nach Amtsantritt als Brecher zahlreicher wohlfeiler Versprechen durch das Land irrlichtert und die schlechtesten Beliebtheitswerte einsammelt, dann hat das auch etwas damit zu tun, dass die drei politischen Gruppen der gegenwärtigen Regierung, also CDU, CSU und SPD, zwar lange über die Installierung einer Regierung „verhandelt“ haben, das Koalitionspapier aber durch Vagheit auf fast allen Entscheidungsfeldern der Politik gekennzeichnet ist. Diese Vagheit, also die Ansammlung von Allgemeinplätzen, ist die Konsequenz daraus, dass die einen, nämlich CDU/CSU, unbedingt die Kanzlerschaft wollten, die anderen, also die SPD, gerne am Tisch der vermeintlich Mächtigen sitzen wollten, obwohl sie bei der Wahl zum Bundestag eine prächtige Klatsche bekommen, sich aber zugleich an den Komfort von Regierungssesseln gewöhnt hatten.

Die Situation erinnert an das dänische Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen. ***

In diesem Märchen tauchen zwei Betrüger am Hof des Kaisers auf, behaupten, sie würden Kleider aus so feinem Stoff nähen, den nur die klugen Leute sehen können. Sie lassen sich Gold und feine Stoffe geben und simulieren das Arbeiten an Webstühlen.

Die Minister, die der Kaiser schickt, um den Fortgang der Arbeit zu prüfen, wollen nicht als dumm gelten und schwärmen deshalb über die kunstvollen Stoffe, die aber nicht vorhanden sind. Schließlich behaupten die Betrüger, die Kleider seien fertig. Der Kaiser streift sich die „Kleider“ über und spaziert durch die Stadt, bis ein Kind ruft: „Der Kaiser ist ja nackt!“

Bisher hat sich ein solches Kind noch nicht gefunden, das Merz zuruft: Du bist ja nackt!

***

https://www.youtube.com/watch?v=dF6bFrRpgjQ

 

 

 

 

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1 Kommentar
Heinz Niski

Adenauer (CDU) hat die Westbindung festgezurrt, ist aber zeitgleich mit einer 150 Personen starken Delegation nach Moskau. Das nannte man Diplomatie gekoppelt mit einer Strategie.

Brandt (SPD) hat gegen den Widerstand der Reaktion die Versöhnung / Verständigung mit den von Deutschland überfallenen Ländern im Ostblock möglich gemacht. Das nannte man Diplomatie gekoppelt mit einer Strategie.

Helmut Schmidt (SPD), Helmut Kohl (CDU) wussten noch, dass man diplomatische Kanäle pflegen muss, dass man Abschreckung, militärische Stärke IMMER koppeln muss mit Strategien für friedliche Verständigung.

Die heutigen politischen Eliten in Deutschland, in der EU können weg.

Die rennen kopflos herum und wissen nicht, wie sie eine Position in einer multipolaren Welt finden sollen. Woaffen Woaffen Woaffen, Sondervermögen, mehr fällt ihnen nicht ein.

Kann weg.

Merz, CDU, Klingbeil, SPD. Grüne… usw.

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