Heute ´mal mit dem Zusammentreffen von echtem Leben und echter Fiktion
Man steckt irgendwie nicht drin. Rein erkenntnistheoretisch! Man glaubt zwar manchmal, man stecke drin, aber letztlich ist das nur ein Trugschluss, sozusagen eine Vorwölbung des Hirns. Ich habe, nur als Beispiel, vor einiger Zeit als Begleiterscheinung einer Erkrankung, Tiere die Wände hochkrabbeln sehen. Manchmal liefen sie auch über den Fußboden oder wühlten zwischen den Nudeln oder im Zucker herum. Aber in Momenten geistiger Klarheit habe ich (mehr empfunden als bewusst erfasst) gedacht, dass die Tiere nicht bei mir in der Wohnung waren, sondern nur als fiebriger Zustand meines Hirns existierten. Und warum? Weil diese Tiere eines gemeinsam hatten:
Ihre geometrische Form!
Und jetzt ´mal ganz ehrlich: Als der Schöpfer in seiner ganzen Weisheit die Erde, die Hölle, den Himmel und sämtliches Getier (und auch die Pflanzenwelt) erschaffen hat, hatte er weder die passenden physikalischen Geräte noch das nötige Wissen zur Hand. Von einer Kenntnis der Grundlagen der Physik, der Chemie und der Biologie abgesehen, schuf er die Welt, Himmel und Hölle aus sich selbst. Oder, wie es bei Johannes heißt: „Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott selbst. Von Anfang an war es bei Gott. Alles wurde durch das Wort geschaffen; nichts ist ohne das Wort entstanden. In ihm war das Leben, und dieses Leben war das Licht für alle Menschen. Es leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.“ (Johannes, 1.1.)
Falls Ihnen das zu religiös angehaucht ist, können wir uns der Problematik auch philosophisch nähern, indem wir das „Sein“ und das „Seiende“ betrachten. Das Seiende sind die konkreten Dinge (ein Stuhl, eine Banane), das Sein ist der Grund für die Existenz der Dinge. In Anlehnung an Martin Heidegger können wir sagen, dass der Unterschied zwischen dem Seienden (Stuhl, Banane) und dem Sein (Grund für die Existenz) die ontologische Differenz ausmacht. ***
Nach der Klärung der Begrifflichkeiten können wir uns nun dem in der Überschrift angeführten (zufälligen) Zusammentreffen einer politischen Entscheidung, hier der Ertüchtigung der Wehrhaftigkeit, und der aufpolierten Fassung von „Kill Bill“ zuwenden. „Kill Bill“ kam ursprünglich als Zweiteiler in die Kinos und zeigt, grob formuliert, die Rache von Beatrix Kiddo an der Bande von Bill, deren Mitglied sie einst war. Bill und seine Killer und Killerinnen haben es sich nicht nehmen lassen, Beatrix K. am Tage ihrer Hochzeit zu überfallen und sie (samt ihren Hochzeitsgästen) zu töten.
Die beiden Filme schildern den Tag der Hochzeit und des vielfachen Mordes und zeigen den Rachefeldzug von Beatrix, die den Mordanschlag überlebt hat. Im Grunde genommen sind die beiden Filme die Aneinanderreihung von Metzeleien, an deren Ende es Bill trifft. Die beiden Teile kommen jetzt als „Einteiler“ mit einer Pause in die Kinos, was aber nichts an der Brutalität, den zynischen Dialogen und dem Rachemotiv ändert.
Kommen wir nun zum zweiten Aspekt, der „Kriegstüchtigkeit“. Zu der haben sich zahlreiche Unternehmen in NRW entschlossen. Das „Wirtschaftsbündnis Initiativkreis Ruhr“ (bisher 80 Mitgliedsunternehmen) hebt auf die veränderte „Sicherheitslage“ ab und geht davon aus, dass es nötig ist, „widerstandsfähiger“ zu werden. Dies bezieht sich nicht nur auf die Herstellung von Kriegsgütern, sondern auch auf die Versorgung Verwunderter (Universitätsmedizin Essen). Nach Schätzungen der Bundeswehr geht der Initiativkreis von 1000 Verwundeten täglich aus, die in und um Essen versorgt werden müssen. Im „Spannungsfall“ müssten im Rahmen der NATO 800000 Soldaten an ihre Einsatzorte gebracht werden – samt ihrem Gerät.
Wie man nun zu den militärischen Gedankenspielen steht, mag strittig sein. Aber die vorgestellten Überlegungen sind ein weiteres Mosaik-Steinchen zur „geistigen Militarisierung“ der hiesigen Bevölkerung, die ja, nach allgemeiner Auffassung und Berichterstattung, nicht gerade für Kriegsspiele zu begeistern ist.
Verknüpfen wir nun die „theoretische Einleitung“ mit ihrem philosophischen Einschlag mit der Überlegung der Wirtschaftsbosse und der „Neuauflage“ des Films, ergeben sich doch verblüffende Ansätze: Ist in dem einen Fall (Film) die Triebkraft der Handlung die Rache als Wesensgrund zu erkennen und damit das „Sein“, ist im Falle der „Wirtschaftsinitiative“ die innere Militarisierung der Bundesrepublik das „Sein“(Wesensgrund).
Das „Seiende“ sind im Film die Metzeleien, die zynischen Witze und die Befriedigung darüber, dass Beatrix Kiddo ihre Rache erfolgreich vollzieht, sind es im Falle der Wirtschaftsinitiative der erklärte Vorsatz, eine Bereitschaft zur Teilnahme an militärischen Einsätzen technisch und personell herzustellen.
Aus der Gleichzeitig der beiden „Ereignisse“ ergibt sich ein Paradoxon: Wir werden im Kino die erfolgreiche Rache an Bill beklatschen und frenetisch feiern, werden aber (wahrscheinlich, hoffentlich) die „innere Aufrüstung“ ablehnen.
Warum?
Zurecht!
*** ontologisch: das Sein, die Wesenheit betreffend; der Begriff „Karte“ etwa kann auf verschiedene Zusammenhänge (Kontexte) verweisen, die die Bedeutung bestimmen: Karte als Fahrkarte, Spielkarte, Eintrittskarte, Postkarte etc.



Ich habe das mit einem damaligen Freund genau anders erlebt, statt der „Erkenntnis,“ dass etwas wegen der geometrischen Formen nicht real sein kann, durchlebten wir einen imaginären Film auf einem gemeinsamen LSD-Trip und sahen identische Figuren und Szenen, die wir wechselseitig steuern, weiter entwickeln konnten und die uns klarmachten, dass es viele Realitäten gibt.
Lang ist es her.
Die Realität sieht nun so aus, dass Matthias Reim (Verdammt ich lieb dich) unter dem Decknamen „Johann Wadephul“, den ewigen Krieg gegen Russland als das Seiende, das Absolute, das Unabänderbare, das Gesetze propagieren darf.
Als Außenminister.
Zur Seite springt ihm Ulrike Herrmann, die TAZ Dame mit Abo in der Lanz Show, die Bücher darüber schreibt, dass Russen und Chinesen nicht anders können, als ihre Söhne (weniger die Töchter) in Kriegen zu verschwenden. Während wir, die Fleißigen und Friedlichen so herumdiskutieren und hedonisieren, würden diese Asiaten, Mongolen, aufgrund ihrer Demografie und ihres Wirtschaftsmodells, nix anderes können, als Morden, Töten, Rauben, Vergewaltigen, Foltern, Schlachten, Versklaven, Unterdrücken, Beherrschen.
Die haben Plumpsklos statt WCs, aber Satelliten, Mondraketen und Atomwaffen.
Wir haben WCs, kaputte Brücken, Züge, die in der Schweiz und in Österreich nicht fahren dürfen. Keine Raketen. Keine Atome.
Die „innere Aufrüstung“ läuft.
Panzer statt VW, Fressen vor der Moral, ist ehernes Gesetz.
Ich habe einen großen Eimer Popcorn neben meiner Potato-Couch.