Das Zwischenfazit der WAZ lautet: „Alle drei Kandidaten scheinen sich am Ende weitestgehend einig. Es braucht beim Thema Sicherheit einen Mix aus Restriktion und Prävention, Rosen betont die Restriktion allerdings besonders. Von der Schärfe, die die AfD den anderen Parteien im Stadtrat entgegenbringt und ihr entgegengebracht wird, ist nichts zu spüren.“
Wenn schon keine Schärfe zu spüren war, was war dann zu spüren? Hilfreich zur Klärung dieser Frage sind die Einschübe der WAZ-Redakteure, denn sie offenbaren das Wesen der beiden Kandidatinnen, also das, was der Kern ihres beruflichen Selbstverständnisses ist.
„Laura Rosen und Andrea Henze verstricken sich für eine kurze Weile in Detailfragen, ob und wie Diensthunde im größeren Stil einsetzbar wären und wie diese gehalten werden müssten. Die Finanzbeamtin Laura Rosen wäre sogar froh, „einen für den Außendienst im Finanzamt“ zu haben.“
„Rosen und Henze verlieren sich anschließend in Details darüber, inwiefern darüber hinaus schon das Tragen von Messern im Schulumfeld kontrolliert wird.“
„Henze und Rosen diskutieren erneut über Detailfragen. Ist die Bauordnung etwa konsequent genug, wenn Häuser ohne Türklinken bei Kontrollen entdeckt werden?“
Die Beamtinnen haben in der öffentlichen Verwaltung Karriere gemacht. Beide werden jedes Problem vor allem als Verwaltungsakt betrachten. Die höchste Priorität haben die Paragrafen – gelernt ist gelernt. Also werden in der Stadtverwaltung Gelsenkirchen – wie überall im Land – mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin Gesetzesberge und Ausführungsverordnungsgebirge als von einer höheren Macht gegeben angesehen werden. Die Oberbürgermeisterin wird sich immer neuen Vorgaben von anderswo beugen und dabei jeden Sinn und Unsinn, der aus Düsseldorf, Berlin und Brüssel kommt, umsetzen. Sie wird sich und den Bunten Haufen mit winzigen Details in und mit Verwaltungsakten dauerbeschäftigen. Beispielsweise damit, ob man besser doch keine Hunde für was auch immer einsetzt (Tierschutzgesetz). Was sagt denn die Tierschutzbeauftragte dazu? Vielleicht könnte man zwei neue Halbtagsstellen dafür schaffen? Kann man überhaupt darauf drängen, dass alle Schüler kontrolliert werden? Aber Messerverbote dürfen nicht diskriminieren. Wo bleibt dazu die Stellungnahme der Integrationsbeauftragten in der Antidiskriminierungsstelle?
Die Stadtverwaltung wird mit den Stadtverordneten darüber streiten, ob man irgendeinen aufgeblasenen Berg Papier (Bauordnung) um einen weiteren Paragraphen ergänzen muss, damit das Ordnungsamt irgendeinen winzigen Zugriff bei offensichtlicher Bandenkriminalität erhält, was dann aber bei allen anderen Bürgern zu Mehraufwand und Zusatzkosten führt: Türklinkenzwang in Gelsenkirchen. Demnächst Hausbesuche mit Kontrolle bei allen wegen Gleichbehandlungsgebot?
Ob Henze oder Rosen, man wird es außerhalb der Verwaltung nicht bemerken, wer von den beiden Oberbürgermeisterin ist, falls eine der beiden zur nächsten gewählt wird.
Norbert Emmerich konnte sich zufrieden zurücklehnen und verfolgte die kleinen Streitigkeiten der Beamtinnen um den Fortgang ihrer Karrieren wahrscheinlich ein wenig amüsiert. Mit der inneren Gelassenheit des Alters hat er zumindest eines bereits geschafft, nämlich sich von den Extremisten in seiner Partei abzugrenzen. Welche Schlammschlachten daraus innerparteilich entstehen und welche Straßen- und sonstige Schlachten es provozieren könnte, sollte er als ältester Oberbürgermeister aller Zeiten tatsächlich gewählt werden, das wagt wohl niemand vorherzusagen.
P.S.: Was macht eigentlich Susanne Cichos so?




Wie Stadtoberhäupter reagieren, wenn sie vor einem großen Problem in ihrer Stadt stehen und ganz genau wissen, dass sie die Ursachen des Problems nicht lösen können, weil sie weder Recht noch Macht dazu haben, kann man in der Zeitung lesen. Nach dem gestrigen Messer-Angriff eines 17jährigen Kosovaren auf seine Lehrerin in Essen, ein Mordversuch, war in der WAZ zu lesen:
„Wir müssen dem Messer den Kampf ansagen“, hat Oberbürgermeister Thomas Kufen kurz vorher vor wartenden, bangenden Angehörigen gesagt. „Wir müssen in die Schultaschen schauen.“
Was muss bekämpft werden? Was? Das Messer muss bekämpft werden! Schulordnungen ändern. Alle Schüler jeden Morgen unter Generalverdacht stellen und jedes Kind, jeden Jugendlichen jeden Morgen durchsuchen.
Die Kapitulation vor den gewalttätigen Milieus ist offensichtlich. Der Staat hat sein Gewaltmonopol aufgegeben…
Ob bei Schülerdurchsuchungen Hunde eingesetzt werden dürften, wäre zumindest in GE unklar, wegen des Tierschutzes. Na immerhin. Die Prioritäten stimmen.