Es ist alles eitel
Du sihst/ wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden.
Was dieser heute baut/ reist jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn/ wird eine Wiesen seyn/
Auff der ein Schäfers-Kind wird spielen mit den Herden.
Das ist die erste Strophe des Sonetts „Es ist alles eitel“, verfasst von Andreas Gryphius mitten im Dreißigjährigen Krieg (1637). Der Begriff „Eitelkeit“ bezeichnet im Barockzeitalter die Vergänglichkeit des Irdischen, der die Ewigkeit des Jenseits gegenübersteht – ganz ohne Besitz, Reichtum und Luxus, Pomp und Völlerei!
Wie läppisch war doch der Wahlkampf in Baden-Württemberg, den die Grünen mit rund 25000 landesweiten Stimmen mehr als die CDU gewonnen haben. Diese Stimmenmehrheit war aber „eitel“, also vergänglich, nicht von Nutzen, denn was die Mandate angeht, sind Grüne und CDU gleichauf. Der DSCHEM hat sich noch am Wahlabend als zukünftiger Ministerpräsident feiern lassen – aber ganz so einfach ist die Chose nicht.
Der Dschem müsste sich schon von der AfD und dem Rest des Parlaments wählen lassen. Jedenfalls wenn die CDU sich ihm verweigert! Sie wird das aber tun, wenn sich die Grünen auch weiterhin in den nächsten Tagen und Wochen zieren, die CDU an der Macht zu beteiligen. Gäbe es nicht diesen mehrfachen Schwur der CDU-Spitze, von jeglicher Zusammenarbeit mit der bösen Partei abzulassen, sich also selbst zu fesseln und einer anderen Option zu berauben, hätten die Grünen ein ganz schlechtes Blatt in der Hand.
Anders gesagt: Sie hätten kaum eine andere Option. Der Dschem, so hört man, ist angeblich sogar bereit, eine Art Canossa-Gang zu machen, also zu einem Vier-Augen-Gespräch in den Heimatort des CDU-Spitzenkandidaten zu reisen, um die zerbrochenen Scherben aufzufegen! Alle anderen Möglichkeiten sind äußerst kompliziert, wenn man (also die GRÜNEN!) Hagels CDU nicht ein, um auf das Barockzeitalter zurückzukommen, fürstlich-üppiges Angebot für eine Beteiligung an der Macht präsentiert (man bedenke, was die Bundes-SPD in den Verhandlungen mit der Merz-CDU herausgeschlagen hat)!
Nahezu nach Art von Brecht könnte man jetzt formulieren:
„Wir stehen selbst betrübt und sehn betroffen /
Den Vorhang zu und alle Fragen offen“
(Bertolt Brecht, Der gute Mensch von Sezuan, 1953)



