Hollow Talk (65)

Kinder verlieren und Kinder bekommen

 Vor fünf Jahren, am 30. August 2021, verstarb der kleine Riad in einer (Mini-)Kita in Gelsenkirchen. Riad hatte versucht, aus seinem Gitterbett zu klettern. Dabei war ihm eine Abdeckung auf den Hals gefallen. Riad erstickte! Riad kam aus einer arabischen Familie, sprach kein Deutsch, die beiden Kita-Tagesmütter konnten sich mit dem Kind nicht verständigen.

Fünf Jahre sind seit dem tragischen Unglücksfall vergangen. Jetzt hat ein Gericht das letztinstanzliche Urteil gefällt: Die beiden Erzieherinnen, die mit den drei zu betreuenden Kindern vormittags noch einen auf der anderen Straßenseite gelegenen Spielplatz besucht hatten, wurden freigesprochen. Riad lag im unteren Bett der Doppelstock-Betten, versuchte die Deckplatte des oberen Bettes hochzudrücken (immerhin 11 Kilogramm schwer), schaffte dies aber nicht und erstickte. Was niemand ahnen konnte: Die obere Platte war nicht fest verschraubt. So wurde die Platte zu einer Todesfalle.

In der ersten Instanz (Amtsgericht Gelsenkirchen) kam es zu einem Freispruch für die beiden Betreuerinnen. Das Landgericht Essen kassierte den Freispruch ein und verurteilte die beiden Erziehungspersonen zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und einem Schmerzensgeld von 10000 EURO. Das Oberlandesgericht Hamm, die letzte Instanz also, sprach die beiden Erzieherinnen frei, weil es der Auffassung war, die „tödliche Gefahr“ sei nicht voraussehbar gewesen und die beiden Erzieherinnen hätten ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt! Eine durchgehende Schlafwache, so das Gericht, sei von den Erzieherinnen nicht zu erwarten gewesen, da keine äußeren Gefahren erkennbar oder erwartbar gewesen waren.

Man mag den unterschiedlichen Auslegungen der prozessualen Gegebenheiten nicht folgen . Allerdings wird an diesem Beispiel deutlich, wie stark Bewertungen von Umständen, Verhaltensweisen und Verantwortlichkeiten voneinander abweichen können. Und immerhin bewegen wir uns nicht in einem rechtsfreien Raum, sondern innerhalb eines Bezirks definierter Rechtsprechung. Man mag das Urteil in diesem Fall richtig oder falsch finden! Man mag auch die Frage diskutieren, ob es „angemessen“ und „kindgerecht“ gewesen ist, ein zweijähriges Kind, das die deutsche Sprache nicht beherrscht (was in dem Alter auch kaum zu erwarten ist) und zudem (nach Auskunft der Eltern) „bettflüchtig“ war, in die Obhut von zwei Erzieherinnen zu geben.

Berechtigte Fragen, offene Fragen!

Das täuscht aber über eines nicht hinweg: Dass der Tod eines Kindes bei den betroffenen Eltern Schmerz und Trauer auslösen muss!

Dem steht die Freude über ein Kind gegenüber! Diese Freude teilen Jens Spahn, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und sein Ehemann Daniel Funke. Daniel Funke ist der leibliche Vater des kleinen Georg („Georg ist unser ganzes Glück“), der von einer amerikanischen „Leih-Mutter“ ausgetragen worden ist, ein Verfahren, das bei uns (noch) verboten, in den USA aber erlaubt ist. Jens Spahn kann im Rahmen einer Stiefkindadoption Georg als Kind annehmen, wenn die biologische Mutter damit einverstanden ist. Der Virologe und CDU-Politiker Hendrik Streek ist auf diesem Wege per Leihmutter aus den USA Vater geworden!

Den Eltern, vor allem aber den Kindern:
ALLES GUTE!

 

 

 

 

 

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12 Kommentare
Ali-Emilia Podstawa

Den großen Jungs sei von Herzen ein Schreibaby vom Allerfeinsten gewünscht, denn durchwachte Nächte nehmen den Ahnungslosen die Illusion, alles im Griff zu haben und sich jeden Wunsch erfüllen zu können, indem sie skrupellos Gesetze, die ihnen nicht passen, mit Geld umgehen.

Eine Gebärmutter für das doppelte Väterglück in Deutschland auszuleihen, ist verboten. Je nach eingenommener Rolle bei diesem Vorgang stehen bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe zur Debatte am Richtertisch. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von Kindeswohlgefährdung durch Entzug der Mutternähe im ersten Jahr bis hin zu Ausbeutung der Frauen, die ihren Körper aus der Not heraus als Brut- und Geburtsmaschine verkaufen.

Leihmutterschaften im Ausland sind für deutsche Babykäufer rechtlich komplex (Abstammung, Anerkennung etc.), aber die Teilnahme an dieser technokratischen Genpoolverschmelzung an sich ist in Deutschland nicht strafbar. Es lebe der Doppelstandard in der deutschen Rechtsprechung.

Dass neuerdings prominente, reiche, schwule Politiker einer angeblich konservativen Partei dieses Vorgehen öffentlich medial pushen, lässt darauf schließen, dass ein riesiges Geschäftsmodell bereits im Hintergrund aufgebaut ist. Wir müssen mit der Zeit gehen, wird es heißen, denn Vermehrung sei ein Menschenrecht – oder so. Alles ist neuerdings ein Menschenrecht. Elter 1 und Elter 2 – nie waren sie so sichtbar wie hier.

In vielen Fällen werden die Käufer ihr menschliches Objekt von einer Nanny aufziehen lassen. Oder kann sich jemand elitäre Boys vorstellen, wie sie sich wegen des Kindes in ihren Karrieren einschränken? Vielleicht kommt sogar die Muttermilch – auch für ganz kleine Männer nur das Beste – in ihrer natürlichen Verpackung für ein Jahr auf eigenen Beinen jeden Tag in die Villa? Denkbar ist vieles.

Wir sollten nur nicht annehmen, es gäbe irgendwelche Grenzen zu beachten, wenn das Ego der Elite nach Selbstverwirklichung lechzt und biotechnisch sogar ein Clon denkbar wäre. Das eigene Fleisch und Blut, den eigenen genetischen Defekt der Großmannssucht aufwachsen zu sehen, den Stammhalter, den in früheren Zeiten die Magd gebären musste.

Kinderliebe zeigt sich bei vielen Menschen, die, warum auch immer, keine leiblichen Kinder haben, häufig darin, dass sie elternlose Kinder adoptieren, um diesen bemitleidenswerten kleinen Menschen ein Zuhause zu geben und für sie ein Leben lang da zu sein. Aber – nee, lass ma, wer weiß was da in der Verpackung steckt…

Ich kotze mit allen Feministinnen im Strahl. Wer kotzt mit?
 

Heinz Niski

Das verstehe ich nicht. Die Gegenpole sind „Betreuung von Kindern durch Institutionen“ und „Anmietung von Körpern, um Eizellen zu Menschen wachsen zu lassen“?

Der erste Teil beschreibt doch eher nur die Tragik, dass trotz aller guten Vorsätze und Absicherungen, das Leben vor Unglück nicht geschützt ist und dass man mit Verantwortungsdiffusion leben muss. Es gibt keinen Adressaten, der mit Schuld beladen werden kann.

Über den zweiten Teil, mit all seinen rechtlichen, ethischen, religiösen Fragen legt sich doch nur das Thema der Doppelmoral und warum prominente Köpfe der CDU so engagiert Wahlkampf für die AfD machen.

Die Themen „Neiddebatte“ und „Antiamerikanismus“ kann man natürlich darüber stülpen. Was aber wäre das Thema, wenn die CDU Männer ihre Kinder in der Ukraine, dort ein wichtiger Wirtschaftszweig, von einer Leihmutter hätten austragen lassen? Antiukrainismus?
Was ist daran Neid, wenn man eine Faktenbeschreibung macht?

Wie auch immer, letztlich laufen zur Zeit alle gesellschaftlichen Konfliktthemen auf Wahlwerbung für die AfD hinaus.

So kann es gehen, wenn man Jahrzehnte schläft, dann gähnt und nur Nazis, Faschisten, Rassisten sieht, die bekämpft werden müssen, statt die realen Probleme zu lösen.

Ali-Emilia Podstawa

Vom Tod des kleinen Riad zu lesen, hat mir damals zwei schlaflose Nächte bereitet. Das Trauma, ein Kleinkind in den eigenen Armen fast sterben zu fühlen und machtlos zu sein, bis endlich der Rettungssanitäter kommt, bleibt mein Lebensbegleiter. Es erzeugt Emphatie. Der Schmerz der Eltern, das Erschrecken der Erzieherinnen und ihre nie endenden Selbstvorwürfe, die Endgültigkeit des Todes.

Das gehört zum echten Leben und niemand will dieses Leid vermehren…

Wenn meine fundermentale Elitenkritik – „Wir sollten nur nicht annehmen, es gäbe irgendwelche Grenzen zu beachten, wenn das Ego der Elite nach Selbstverwirklichung lechzt“ – nicht als reine Elitenkritik verstanden wird, dann weiß ich auch nicht.

Manchmal hilft ein Perspektivwechsel. Aus der Kindperspektive betrachtet ist dieses Elitenprojekt eine Katastrophe für die psychische Gesundheit der Betroffenen. Das Internet ist voll mit Erfahrungsberichten. Beispiel:
https://www.imabe.org/bioethikaktuell/einzelansicht/interview-des-monats-kinder-aus-leihmutterschaft-haben-angst-offen-ueber-ihre-erfahrungen-zu-sprechen

Heinz Niski

Du bleibst im Geraune. Ich habe keinen „Empörungston“ angeschlagen oder eine „Moralkeule“ gezeigt. Du findest alles richtig an Kritik, teilst aber nicht alle Positionen. Welche denn genau nicht?
Wenn du das präzisierst, hätten wir eine Gesprächsmöglichkeit.
So kann ich nur sagen, dass ich viele deiner Hinweise teile, aber nicht alle.

Heinz Niski

Danke für die Erläuterungen, die mir nicht ganz unbekannt sind. Wir beachten alle die Verkehrsregeln, gehen aber, bis auf einen meiner Schwager, auch alle bei Rot über den Zebrastreifen. Wenn ich aber ein Gesetz erlassen habe, welches das überqueren bei Rot verbietet, bekommt das eine andere Dimension. Darüber reden die „Moralisten“ – wäre Spahn ein Gegner des Verbotes der Leihmutterschaft, würde es anders aussehen. Wäre Spahn ein normaler Bürger, würde es anders aussehen. Usw. usw. – Wäre Spahn tatsächlich ein begeisterter Vater, wäre ihm schon früher aufgefallen, dass dies schwer mit der Arbeit eines Fraktionsvorsitzenden in Einklang zu bringen ist. Anders: hinter dem Rauswurf, Rücktritt steckt mehr als nur eine kalkulierte Grenzüberschreitung, um die gesellschaftlichen Prozesse voranzutreiben. Nebenbei, dass Merkel die Gesetze und den Bundestag in der Coronazeit umgangen hat, kann man so oder so betrachten – als gesetzeswidrigen totalitären Akt oder als sinnvolles aushebeln der Demokratie, um Schaden von den Menschen abzuwenden.

Zuletzt bearbeitet am 29 Tage vor von Heinz Niski
Ali-Emilia Podstawa

Es stimmt, dass Moral temporär und lokal ist. Deshalb bringt uns Moral selten weiter.

Weiter bringt uns ein Perspektivwechsel.

Wegschauen von den Interessen der Mächtigen

  • In diesem Fall gut betuchte Männer mit einem Selbstverwirklichungsdrang, der nicht nur über ihre natürlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten hinaus geht, sondern auch über Normen und Gesetze, die sie aus beruflichen Gründen (Wiederwahl und Ämter) bislang vertreten haben.

Hinschauen aus der Perspektive der Ohnmächtigen

  • In diesem Fall einem Säugling, der massive Verlustängste durchlebt, weil in seiner Wahrnehmung seine Mutter, mit der er bislang alles geteilt hat, nach kurzer Zeit verstorben sein muss und er damit keine Chance mehr hat, die frühkindlichen Erfahrungen zu machen, die für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung wichtig sind und die nur eine Mutter-Kind-Beziehung ermöglicht – so ist der Stand der Forschung. Alles, was nun andere Menschen mit den besten Absichten tun werden, ist damit Schadensbegrenzung.

Nun haben wir einen ethischen Bewertungsmaßstab.

Ali-Emilia Podstawa

Es tauchen viele sehr betuchte Frauen mit eher geringem „Selbstverwirklichungsdrang“ unter den Bestellern auf: Kim Kardashian, Khloé Kardashian, Nicole Kidman, Sarah Jessica Parker, Cameron Diaz, Naomi Campbell usw.

Jetzt können wir natürlich nicht wissen, welche Motive diese Frauen haben, außer, ich will ein Baby und vielleicht: Was soll der Stress, wenn ich für nur 200 Kilo-Dollar ein Pre-Birth-Order-Baby bekomme, das im Reagenzglas aus den angelieferten Gameten zusammengesetzt, dann von einer Fremden ausgetragen und schließlich von einer professionellen Nanny bis zur Stubenreinheit versorgt wird? Nur das beste fürs Kind – und die Figur. – Ja, nee, Scherz beiseite. Sie handeln ganz sicher ausschließlich aus mütterlicher Liebe heraus, nicht wahr?

Letzte Bemerkung zum Thema: Ich habe in den letzten Tagen viele Meinungen gelesen, die zeigen, dass Leute gar nicht wissen, was Leihmutterschaft ist, was da konkret biotechnisch, biologisch, psychologisch, juristisch, finanziell passiert. Die wenigsten Vorstellungn bestehen darüber, was dies alles mit dem Kind macht. Es herrscht immer noch die Meinung, Hauptsache ein Säugling wird irgendwie satt und hat Hautkontakt. Das reiche. So ein Winzling bekomme ja gar nicht mit, was um ihn herum passiert und wer sich um ihn kümmert, sei Jacke wie Hose. Einige schreiben über Leihmutter so, als sei nur deren Uterus wie ein Maschinenbauteil von der Schwangerschaft betroffen und der Rest der Frau (Körper und Psyche) würde sich gar nicht soooo dramatisch verändern. Nach 9 Monaten die Nabelschnur trennen und das Baby sei praktisch sofort unabhängig von der Mutter, noch ein kurzer medizinischer Check, dann kann es ausgeliefert werden … vor Fassungslosigkeit fiel mir manchmal der Kinnladen auf die Tischplatte.

Was das Thema Abbruch von Schwangerschaften mit dem Thema Leihmutterschaft zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Das eine soll Menschen reproduzieren, das andere eher nicht. Kenne auch keine Frau, die sagt: Jetzt will ich schwanger werden und dann abtreiben, weil ich das jetzt unbedingt genau so für mich brauche. Die beiden Themen haben nichts miteinander zu tun, außer, es kommt bei der Schwangerschaft der Leihmutter zu einem Zwilling, der nicht bestellt wurde. Was passiert mit dem nicht gewollten Menschen in der fremden Frau? Ui. Ja, da schauen wir einmal in den Vertrag…

Der Rücktritt Spahns von seinem Amt hat sicher ganz viele Gründe. Kann auch sein, dass der Typ demnächst mit Gefolgschaft um die Ecke kommt, sich wieder kräftig aufbläst und zu irgendwas gewählt wird. Die Konserven sind jedenfalls tatsächlich in Aufruhr, liest man. Erst macht der Kanzler ständig das Gegenteil des Versprochenen und jetzt sagt auch noch der Fraktionsvorsitzende: Was geht mich mein Geschwätz von gestern an? – Wenn das der Adenauer wüsste …

Also ich hab mich jetzt genug ausgekotzt.

Belassen wir es dabei, oder brauchst du, Bernd, noch ein Ventil? Dann los!

Heinz Niski

Hier ein paar weitere Aspekte zum Thema „Leihmutter“ oder „Menschenzucht“ von F. Küppersbusch:
https://youtu.be/pR78WgjI8yE?si=pBKGO4ncHu7NXZ_Q

Zuletzt bearbeitet am 26 Tage vor von Heinz Niski
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