Immer mehr alte Menschen, Männer und Frauen, deutlich über 8 Jahrzehnte alt und früher zur Mittelschicht gehörig, suchen in meinem Wohnumfeld in den Abfallbehältern nach Pfandflaschen und Dosen.
Mich macht das wütend.
Was ist das für eine Gesellschaft geworden, die apathisch ihren Verfall, ihren Absturz hinnimmt, die Alte demütigt?
Zu Hunderttausenden geht man, aufgeschreckt durch eine erkennbar tendenziöse Agitationsberichterstattung, gegen eine angeblich neue NSDAP auf die Straße, statt sich um die tatsächlichen Probleme zu kümmern.
Politischer Stillstand? Egal.
Verfall der Infrastruktur? Kann man nichts machen.
Abbau sozialer Leistungen? Musste ja so kommen.
Funktionäre legen Hand an die Wurzeln der Demokratie, der Grundrechte, entmündigen die Bürger, die schauen gleichgültig zu. Dient ja der guten Sache. Gegen Pädophilie. Gegen Putins 5te Kolonne. Gegen Verschwörungsschwurbler.
Deutsche Autos bringen es nicht mehr, egal. Bauen wir eben Panzer. Panzer sind nutzlos im Drohnenkrieg, egal. Hauptsache Arbeitsplätze.
Zuwanderung bringt auch Probleme mit sich? Solche Gedanken sind Nazi. Alles Nazis, Rassisten. Faschisten.
Usw. usw. usw.
Ich bin wütend.
Ich habe keinen echten Adressaten.
Ich ahne aber immer deutlicher, warum die Menschen Systemsprenger wie Trump, Milei, Putin, Erdogan wählen.
Ich bin wütend.
Wut ist gefährlich geworden in diesen Zeiten. Früher entlastete Wut, trug zur Lösung von Konflikten bei. War ein akzeptiertes Gefühl.
Nun ist ein „Wutbürger“ herablassend gemeint.
Nahe an der Hassrede. Die ja verboten ist.
Wut ist auch eine Makroaggression. Das muss eingedämmt werden. Möglichst mit Verordnungen, Gesetzen, geschrieben und ungeschrieben.
Ich bin wütend.
Diese Gesellschaft hat meine Wut nicht mehr verdient.


