RVR-Blackout fürs Revier

Der Regionalverband Ruhr (RVR) ist nicht nur ein Versorgungsapparat für Leute, die kommunalpolitisch ausgebrannt oder in der Wirtschaft nicht vermittelbar sind. Er ist auch eine Krücke, die nur deshalb notwendig wurde, weil seit Kaisers Zeiten drei Regierungsbezirke sich ordnungspolitisch zuständig fühlen für eine Region, die trotz ihrer Größe von allen Seiten immer klein gehalten und fremdbestimmt wurde.

Nicht nur die Landschaft des Ruhrgebiets besitzt mehr Grünzeug als manch anderer Ballungsraum der Republik. Auch der RVR ist seit Jahren heftig ergrünt in seinen Büros und Home-Offices, wenn es um die Frage der Energie-Infrastruktur im Ruhrgebiet geht.

Wir reden über einen hoffentlich nicht ernst gemeinten Marketinggag, der heute in einigen Publikationen, darunter die WAZ, vorgestellt wurde und deshalb hier kurz zusammengefasst wird.

Der Solarpakt des RVR:

  1. Unmengen von PV-Modulen aus China kaufen.
  2. Diese großflächig auf zig km² auf allen Halden und Deponien installieren.
  3. Weitere noch großflächiger auf allen Industriebrachen installieren.
  4. Jede geeignete Wasserfläche (Seen, Teiche) mit schwimmenden PV-Modulen abdecken.
  5. Alle Dachflächen aller Gebäude mit PV-Modulen vollpflastern.
  6. Alle Parkplätze mit PV-Modulen überdachen.
  7. Alle senkrecht stehenden Flächen (Balkone) mit PV-Modulen verkleiden.

Wie sieht die Wirklichkeit aus? Die in Deutschland mittlerweile vollkommen überdimensionierte PV-Installation produziert zufällige Strommengen. Bei zu viel Sonnenschein nicht benötigten Strom, dafür im Winterhalbjahr wochenlang nur homöopathische Mengen, aber in jeder Nacht, als sei es ein Fluch, garantiert nichts. Das Ruhrgebiet braucht also eine weitere, parallel zur Verfügung stehende Infrastruktur, die zuverlässig Strom erzeugt. Diese Aufgabe wurde von den Fehlplanern der „Energiewende“, also Trittin & Co., Gaskraftwerken zugedacht und von Anfang an dermaßen fest eingeplant, dass sie sich heute nicht mehr daran erinnern wollen. Der RVR offenbar auch nicht.

Reden wir über Versorgungssicherheit. Wenn an Tagen wie heute die Sonne ballert, droht das Stromnetz zusammenzubrechen, denn die 1. Kirchhoffsche Regel besagt, dass in der echten Welt, also nicht der gewünschten oder erträumten, in einem Knotenpunkt eines elektrischen Netzwerkes die Summe der zufließenden Ströme gleich der Summe der abfließenden Ströme ist. Für das Stromnetz bedeutet es, in ganz Europa muss dies überall und immer gewährleistet werden. Jederzeit. Sekundengenau. Wenn nicht genügend Kraftwerke im Stromnetz aktiv sind, können die Schwungmassen ihrer Generatoren kleine Netzfrequenzschwankungen nicht mehr durch ihre Massenträgheit ausgleichen. Es muss durch Zu- und Abschaltung von Erzeugern und Verbrauchern innerhalb von Sekunden eingegriffen werden, sonst bricht das Stromnetz zusammen und ganz Europa könnte mitgerissen werden: Blackout.

Hintergrundinformationen zum Thema Stromnetz: Alles wird gut. – Ein Beitrag zur Energiewende

Sogenannte Redispatch-Kosten sind die Aufwendungen für gezielte Eingriffe der Übertragungsnetzbetreiber, um Netzengpässe rechtzeitig zu vermeiden. Die Kosten dafür werden vollständig über die Netzentgelte auf alle Stromkunden umgelegt. Betreiber von „Grünen-Investitionen“ erhalten bei negativem Redispatch (Abschaltungen) dabei Entschädigungen. Diese sind bei Solar und Wind bis zu 95 % der entgangenen Einnahmen. Kosten für hochgefahrene Anlagen (positiver Redispatch) entstehen bei Erdgas und Kohlekraftwerken, die Brennstoff-, Anfahr-, Lohn- und Betriebskosten haben und ständig betriebsbereit gehalten werden müssen.

Zwischenbilanz zur täglichen Rettung des Stromnetzes vor einem Zusammenbruch: ca. 3 Milliarden € im Jahr 2025 und mit ein Grund für die asozial hohen Strompreise in Deutschland.

Trotz dieser allseits bekannten Probleme will der RVR das Revier mit dunkelblau bis schwarzen Glasflächen zustellen und das Netz mit Flatterstrom fluten. PV-Module haben eine Lebensdauer von 20 Jahren, werden also permanent gigantische Ersatzinvestitionen notwendig machen, die natürlich die Stromkunden zahlen sollen.

Der RVR schweigt in Bezug auf den Solarpakt zu folgenden Themen:

  • Dunkelflauten / Wetterabhängigkeit der Solarstromerzeugung.
  • Redispatch-Kosten, Netzengpässe, Netzstabilität, Versorgungssicherheit.
  • Speicherbedarf, Backup-Kraftwerke, systemische Herausforderungen der heftig schwankenden Einspeisung.

Die Botschaft lautet vorerst: „Potenziale“, Flächennutzung und Beschleunigung des Ausbaus. Ältere RVR-Dokumente (z. B. das Klimaschutzkonzept von 2016 oder die Solarmetropole-Ruhr-Initiative) gehen teilweise auf Speicherung und unzuverlässige Stromproduktion ein, aber der aktuelle Solarpakt-Vorschlag tut das nicht. Eine gut geschmierte Profitmaschine, die wenigen Leuten aus der EE-Branche in unserem Land weiterhin die Taschen füllen soll, funktioniert seit 25 Jahren nur aufgrund von Sonderrechten, Förderungen und Kosten-Vertuschung. Das Abgreifen von Steuergeld wird bei leeren öffentlichen Kassen zunehmend schwieriger. Derweil lassen sich die Nachbarländer die deutsche Energie-Geisterfahrt gut bezahlen.

Mitternachtsspitzen Satire Strom

Falls Sie es noch nie gehört haben sollten, was durchaus möglich ist: Mittlerweile ist der Traum des bezahlbaren Umbaus eines robusten Stromnetzes in eine vom Wetter abhängige Lotterietrommel – mit mehr als 50 überlebensnotwendigen Eingriffen pro Tag – eher zu einem Albtraum geworden. Darum sei zum Thema Speicher bemerkt, dass die deutsche Topologie für die Anlage von Stauseen weitgehend ausgereizt ist. „Noch-und-Nöcher-Speicher“ sind weder in der gigantischen benötigten Menge vorhanden noch als Akkus rohstoffseitig realisierbar oder bezahlbar. Das Thema Wasserstoffkreislaufwirtschaft zum Champagnerpreis hat der RVR diesmal zum Glück in seiner Traumfabrik gelassen, sonst wäre dieser Text noch länger geworden.

Wir fassen zusammen: Redispatch ist ein Symptom systemischer Fehlanreize und Planungsdefizite.

  • Ursache: Der massive Ausbau dezentraler, wetterabhängiger Stromerzeuger, vor allem PV und Wind, trifft auf ein nicht für diesen Zweck ausgelegtes Netz. Statt nun systemdienlich zu planen, wird der Zubau weitgehend ungehindert vorangetrieben.
  • Kostenverteilung: Die Milliarden landen über Netzentgelte auf den Strompreisen – besonders belastend für Industrie, Betriebe und Haushalte.
  • Anreizprobleme: EE-Betreiber tragen kaum das Risiko von Abregelung, bekommen hohe Entschädigungen. Netzbetreiber haben wenig Anreize zur Vermeidung, geben die Kosten weiter.
  • EE-Lobby: Anreize für systemdienlichen Zubau zu setzen, wird von Branchenverbänden als investitionsfeindlich kritisiert, da ihr Geschäftsmodell garantierter Gewinne auf Kosten der Stromkunden damit faktisch vom Tisch gewischt wird.

Der RVR setzt anscheinend voll auf diesen Unsinn.

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