Vielfalt kann Freiheit fördern oder Konflikte anfeuern. Sie kann einen bunten Strauß an Wahlmöglichkeiten liefern oder Fragmentierung erzeugen. Vielfalt kann Enge weiten oder Gefängnisse schaffen. Vielfalt ist kein Wert an sich.
Vielfalt ist in der Standardisierung von alltäglichen Vorgängen, genannt Routine, ein Störfaktor, weil ungeplante Ergebnisse entstehen. Bei kreativen Tätigkeiten ist Vielfalt im Ergebnis ein Merkmal für Qualität. Vielfalt an sich hat keinen Wert. Sie kann deshalb nur dann als gut bezeichnet werden, wenn sie Ziele fördert, die einen Wert haben. Ein gelingendes Miteinander in einer Gesellschaft gehört sicherlich dazu. Falls Vielfalt das Leben aller Menschen einer Gesellschaft verbessert, kann man sie wohl als gut bezeichnen. Als Dogma und Selbstzweck wird Vielfalt zum Schlachtruf der Besinnungslosen. Vielfalt ist ein weitgehend ausgehöhlter Begriff, dessen Verwendung mal nützlich, mal schädlich erscheint, je nach Art der postulierten Vielfalt, dem Kontext und den damit verbundenen Folgen.
Eine kluge Frau würde darum fragen:
„Welche Vielfalt unter welchen Bedingungen dient dem Leben in einer Stadt wie Duisburg oder Gelsenkirchen und welche nicht?“
Die Vorsitzende der einst Sozialdemokratischen Partei Deutschlands sprach in dieser Woche in ihrer Eigenschaft als Arbeitsministerin beim Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt. Die historischen Ungenauigkeiten und Falschdarstellungen in ihren Ausführungen geschenkt, sprach die Dame so, als befänden wir uns in der Bonner Republik. Duisburg, 1970er Jahre, mit Schwerindustrie als Motor der Integration von geregelt nach Deutschland eingewanderten Europäern, hier nachzusehen und zu hören.
Sie sprach von beidseitiger Bereitschaft wozu auch immer und es war ihr wohl wichtig folgende Wortspiele zu verwenden, sonst hätte sie es nicht getan:
„Und wir wollen Farbe bekennen und wehren uns auch gegen dieses sogenannte Einheitsgrau – oder ich würde es sogar braun nennen. Auch wenn manche sich danach sehnen vielleicht sogar, aber so ist es halt nicht mehr und das ist auch gut so, meine Damen und Herren. […] Wir brauchen die Menschen, die zu uns kommen, auch als Fachkräfte, ja. Aber wir brauchen sie auch für die Vielfalt in unserer Gesellschaft, und das ist genauso wichtig. […] deshalb ist es wichtig, dass man auch kulturell die Bereicherung annimmt und nicht nur wirtschaftspolitisch darüber redet. Beides gehört zusammen.“
Diese Aussagen der Ministerin kurz in verständlicher Sprache zusammengefasst:
- Einheitsgrau oder Einheitsbraun gibt es nicht mehr bei uns und das ist auch gut so.
- Menschen, die zu uns kommen, können gerne auch Fachkräfte sein.
- Vor allem brauchen wir Menschen für die Vielfalt in der Gesellschaft.
- Es ist wichtig, die Bereicherung durch Menschen und/oder Fachkräfte kulturell anzunehmen und nicht nur wirtschaftspolitisch darüber zu reden.
Abgleich von Theorie und Wirklichkeit:
- Aufmerksamen Einwohnern Gelsenkirchens ist zahlenmäßig zunehmende, graue und braune Ganzverschleierung in der Öffentlichkeit aufgefallen. Ist das gut so?
- Wir wissen, dass diese wenig vielfältigen, vielleicht sogar eher einfältigen Menschen keine Fachkräfte sind. Genaugenommen wissen wir gar nicht, wer unter den Tüchern steckt.
- Wir brauchen diese Menschen aber wegen der Vielfalt, weil sie das von uns nicht gewollte Einheitsgrau bzw. Einheitsbraun … also als kulturelle Vielfalt an sich… und das ist ja mindestens genauso wichtig.
- Es ist darum wohl richtig, Verschleierung als Bereicherung zu sehen. Es ist gut, dass wir den Frauen unter dem Stoff nicht nahekommen dürfen, wegen ihrer Kultur. Wir haben damit als Gesellschaft zwar keine Chance, sie kennenzulernen, aber das ist ja genau diese Bereicherung, die wir gerne annehmen. Gut, dass wir nicht wirtschaftspolitisch darüber geredet haben, wer sie versorgt, denn beides gehört zwar zusammen, aber die Vielfalt ist wichtiger.
P.S. Wahlumfragen zeigen die einst stolze SPD bei derzeit 15%.




Wenn die, statt die gesellschaftliche Debatte abzuwürgen, vor 40 Jahren begonnen hätten, das Für & Wider von Gesellschaftsentwürfen wie denen der Japaner (homogene Gesellschaft, sehr effizient) und der indischen (Heterogenität, dadurch Kreativität, Resilienz und Anpassungsfähigkeit) offen zu diskutieren, gäbe es heute keine AfD.
So ist das aber mit sterbenden, untergehenden Schlafgesellschaften, man schnarcht sich aus der Geschichte. Aber mit Prinzipien und ideologischem Stahlkorsett.
Offenbar kein rein deutsches Phänomen. In UK sind sie bereits ein paar Schritte weiter…
Dafür gibt es doch eine ganze Palette rethorischer Tricks: moralische Ablenkung (das ist antimuslimischer Rassismus), Whataboutismus (das machen Deutsche auch), Bagatellisierung (das sind Einzelfälle), Beweislastumkehr (dafür gibt es keine Beweise), Emotionalisierung und ganz perfide, die Berufung auf Menschenrechte, Grundgesetz etc. – über den Umweg des Kulturrelativismus. Musst du verstehen, archaische, partriachale Praktiken kannst du nicht einfach ablehnen, gehören ja zur kulturellen Identität und du willst doch kein Nazi-Rassist-Faschist sein, der Freiheit einschränkt und Selfempowerment, Selbstverwirklichung verhindert.