Though this be madness, yet there is method in it. (Shakespeare, Hamlet, II/2)
Sind oder waren Sie auch ´mal für eine gewisse Zeit eine friedensbewegte Kreatur, also ein absoluter Pazifist, so einer, der Bäume umarmt, Schäfchen gezählt (Schäfchen zur Rechten droht dir mit Schlechtem, Schäfchen zu Linken tut Freude dir winken) oder morgens drei Esslöffel ungelöschten Kalk zur Regenerierung der morschen Knochen zu sich genommen hat, aber trotzdem einen Palästinenser-Schal getragen und sich nicht rasiert hat, um ein wenig wie Arafat auszusehen? Oder, falls Sie eine Frau waren, so wie Arafats Frau?
Oder eine Fahne der Vietkong geschwenkt hat, zumindest aber die Rote Bibel von Mao-Bimm-Bamm-Bumm mit verkaufsfördernden Reklamesprüchen im Regal hatte? Mir fehlte beim BRAVO-Mao-Starschnitt über Jahre übrigens der linke Mao-Fuß, so dass Mao auf dem Starschnitt immer ein wenig gehandicapt dreinschaute!
Merken Sie schon, dass dieser Text zielgenau auf eine Frage zusteuert? Nein, nicht auf die entscheidende Frage in der „Feuerzangenbowle“, die Paul Henckels in der Rolle des Professors Brömmel stellt:
„Wo simmer denn dran? Aha, heut hammer de Dampmaschin. Wat is en Dampmaschin? Da stelle mer uns ma janz dumm un sage: en Dampmaschin, dat is ene jroße, runde, schwarze Raum. Un der jroße, runde, schwarze Raum, der hat zwei Löcher. Dat eine Loch, da kömmt der Damp erein, und dat andere Loch, dat krieje mer später. Wat tut nu der Damp? Der Damp, der drückt auf den Kolben. Wat ne Kolben is, dat kammer net explizieren, dat steht im Buch. Et steht überhaupt allet im Buch, wat ich sach, bloß net so schön.“
Aber im Kern trifft die Brömmel-Frage mit dem großen schwarzen Raum und den zwei Löchern – als Bild verstanden – natürlich unser gegenwärtiges Problem, das, wie es in der WAZ von heute heißt, die CDU zerreißt. Und die Brömmel-Frage, ins Jetzt transportiert, lautet natürlich: Nehmen wir das Loch, wo der Dampf reinkommt, oder das, wo er rausgeht? In den üblichen Polit-Sprech übersetzt: Weiterhin Waffen an Israel liefern (Loch 1) oder nicht (Loch 2)?
In ihrer Rede vor der „Knesset“, dem israelischen Parlament, sagte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel am 18.März 2008 zur Gründung Israels vor 60 Jahren ein großes Wort: „Gerade an dieser Stelle sage ich ausdrücklich: Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet. Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar.“
Nun sind seit diesen Sätzen Merkels 17 Jahre ins Land gezogen. Die (damalige) Kanzlerin hat in ihrer Rede diese Haltung vor allem mit einem Verweis auf die historische Verantwortung Deutschlands, also dem Verbrechen der Shoa, begründet. Die knifflige Frage, sozusagen das Thematisieren des „Zweiten Lochs“, um mit dem Lehrer Brömmel zu sprechen, umgeht die Bundeskanzlerin damals aber wohlweislich.
Wenn Israel und Deutschland wegen der Verbrechen aus der NS-Zeit eine besondere Verantwortung füreinander haben, müssen wir bzw. die deutsche Regierung dann nicht auch im Vertrauen auf unsere Beziehungen Israel und sein Handeln kritisieren dürfen, wie auch die israelische Seite uns kritisieren darf, wie wir es mit unseren westlichen Partnern ja ebenfalls tun? Und dies auch angesichts der politischen und militärischen Bedrohung Israels – etwa durch die Machthaber im Iran? Oder durch die Hamas oder andere radikale Moslems? Wenn deutsche Politiker immer wieder betonen, Israel sei das einzige demokratische Regime im „Nahen Osten“, steht dann die Lieferung von Waffen nicht außer Frage?
Wären wir dann nicht eher in besonderer Weise verpflichtet, die durchschaubaren Beweggründe der Heuchler in der UNO-Versammlung zu kritisieren, die mit dem – tatsächlichen oder propagandistisch überzeichneten – Leiden der palästinensischen Kinder ganz andere Zwecke verfolgen und die mit Millionen von Dollar die Palästinenser aufpäppeln und alimentieren? Müssten wir nicht weitaus stärker als bisher die Mullahs im Iran in ihre Schranken verweisen? Müssten wir nicht weitaus eher das Leid und das Leiden in anderen Regionen der Welt auf die Tagesordnung setzen – ohne uns mit formalen Argumentationen (Völkerrecht) aufzuhalten? Sind wir nicht weitaus stärker als bisher verpflichtet, diejenigen in Schranken zu weisen, die Verbrechen am eigenen Volk begehen – durch Bürgerkriege und Stammesrivalitäten?
All das sind wohl gemeinte Fragen und Anregungen. Und wer auf die (politische) Landkarte schaut, der wird Dutzende von Beispielen finden, etwa in Afrika oder Asien, für Flüchtlinge, Vertriebene, Hungernde und Unbehauste, die tagtäglich in einer lebensbedrohlichen Lage sind, weil konkurrierende Generäle, Usurpatoren und machtgeile Duodezhäuptlinge ihre Machtansprüche durchsetzen wollen!
Es sei abschließend daran erinnert, dass der Ausgangspunkt der jetzigen Lage der Überfall der Hamas war, der das Tor zu einer kriegerischen Auseinandersetzung weit geöffnet hat. Noch sind nicht alle (lebenden) Geiseln wieder zuhause.
Sie werden vielmehr wie Kriegstrophäen vorgeführt!


