Die WAZ hat ihre Leser gebeten, etwas über ihre Stadt zu sagen. Jetzt geben die OB-Kandidaten per Video kurze Antworten zu besonders prägnanten Aussagen der Leser. Picken wir uns zwei davon heraus und geben unseren Senf dazu.
Andrea Henze (SPD) schaut ernst. „Mein Alter hindert mich, diesen entfremdeten Stadtteil zu verlassen.“ Der Schriftzug schwebt drohend über ihr und der aufmerksame Betrachter fragt sich, mit was für einem Kerl die Frau wohl zusammenlebt. Das Missverständnis löst sich schnell auf, als Frau Henze gar nicht auf Paarbeziehungen eingeht, sondern folgende Antwort gibt:
„Entfremdung entsteht, wenn man sich nicht mehr zu Hause fühlt, wenn man vielleicht viele Nationalitäten in einem Stadtviertel sieht, die vielleicht von früher nicht mehr bekannt sind. Und unsere Aufgabe als Politik ist es, die Integrationsleistungen zu fördern, aber auch natürlich für Regeln und für Ordnung zu sorgen, sodass ein gemeinsames Zusammenleben wieder möglich ist.“ Andrea Henze (SPD)
Man ahnt, was sie sagen wollte. Sicherlich ist es nicht einfach, frei und druckreif in eine Kamera zu sprechen, schon gar nicht in dem Stil, den Politiker sich nach kurzer Zeit angewöhnen, um nicht anzuecken. Aber was sie sagt, ist so unkonkret, dass nichts hängen bleibt. Was will sie gegen Entfremdung konkret tun?
Schon fliegt das nächste Statement ein: „Zusammenhalt gibt’s nicht mehr im Stadtteil. Der Kulturunterschied ist zu groß.“
„Wir haben einen nicht abgeschlossenen Strukturwandel und wir hatten in den letzten Jahren sehr viel im Rahmen von Zuwanderung als Stadt auch geleistet. Wir haben das Thema Armutsmigration in Gelsenkirchen und das ist ein ganz großes. Und für mich ist es ganz klar, dass eine Arbeitnehmerfreizügigkeit natürlich das Wort Arbeit im Begriff hat. Und deshalb ist es für mich wichtig, dass wir auch mit dem Thema Arbeit auf die Menschen zugehen. Weil: Arbeit ist der größte Integrationsfaktor in einer Stadt.“ Andrea Henze (SPD)
Der Strukturwandel in Gelsenkirchen begann Anfang der 1960er und ist seitdem immer noch nicht abgeschlossen, weil der Wandel das einzig Beständige in dieser Stadt ist. Kaum denkst du, das bleibt jetzt, schon ist alles wieder vorbei. Dieses Lebensgefühl scheint der Kandidatin fremd zu sein, was darauf hindeutet, dass sie nicht auf Kohle geboren wurde, sondern aus freien Stücken ihr Leben hier verbringt. Den Strukturwandel zum Abschluss bringen zu wollen, ist ein Vorhaben, das nur scheitern kann. Genauso wenig Erfolg versprechend ist das Vorhaben, mit dem Thema Arbeit auf die Menschen zuzugehen, die gar nicht wegen der Arbeit gekommen sind, weil hier keine geeigneten Arbeitsplätze vorhanden sind und auch nicht kommen werden. Vielleicht hat es sich noch nicht bis nach Gelsenkirchen herumgesprochen, aber es findet gerade eine nie dagewesene Deindustrialisierung in Deutschland statt. Die Integrationskraft der Kumpel und Malocher ist mit den Kumpeln und Malochern bereits im letzten Jahrhundert gestorben.
Andrea Henze, seit Kurzem in der SPD, sieht müde aus. Der Job als Dezernentin für Arbeit und Soziales bietet wenig sorglose Momente. Und nun OB? Will sie sich das wirklich antun?
Quelle: https://www.waz.de/lokales/gelsenkirchen/



Immerhin deutet sie an, dass Zuwanderung auch Konflikte mit sich bringt. Die Kölner sind da besser drauf. Die haben ein institutionalisiertes Schweigekartell zu dem Thema. Polit-Omerta. Man redet im Wahlkampf nicht über Probleme und wie sie zu lösen sind.
Das ist ein weises und tiefes Verständnis für die Vergesslichkeit der Wähler und bestätigt die Vogel Strauß Politik. Kopf in den Sand stecken, Augen zu und schon ist die AfD Schnee von gestern.
Das ist in BO genauso. da braucht man kein Schweigekartell. Da ist die junge WAZ-Redaktionsleitung fern von jeglichem politischem Wissen, Talent und Verständnis. Es findet medial in dem Lokalteil gar kein Wahlkampf statt. Oder nur von der KI getextet. Das ergänzt sich hervorragend mit der Pressestelle der Kommune, die ihre Hofberichterstattung ausschschließlich durch Pressesprecher verlauten lässt – dem OB und seine Sachveraltungen ist das einfach nur lästig – bis auf die Schüppen- und Scherenfotos vor Eröffnungsverantaltungen sowie Jubiläen.
Man darf gespannt sind, wie der SPD-Ex-Polizeipräsident zukünftig seine Stadt als Pensionär managt und ob er sein Gehalt den Bürgern spendet. Sowas will die Presse gar nicht wissen.