WAZ-Stadtcheck – Reaktionen von OB-Kandidatin Laura Rosen (CDU)

Die WAZ hat ihre Leser gebeten, etwas über ihre Stadt zu sagen. Jetzt geben die OB-Kandidaten per Video kurze Antworten zu besonders prägnanten Aussagen der Leser. Picken wir uns zwei der Aussagen heraus und geben unseren Senf dazu.

Laura Rosen (CDU) ist die jüngste der Kandidaten mit Chancen auf den OB-Posten, eine Meisterin des Relativ- und des Komplementsatzes, eine Liebhaberin des „Das“ mit ein oder zwei S. Als gebürtige Gelsenkirchenerin, die ihr ganzes Leben nur in dieser Stadt gewohnt hat – genauer in Schalke, hat die WAZ-Redaktion eine herausfordernde Frage in petto. „Ich schäme mich für meine Stadt und mir ist es unangenehm, meinen Wohnort Gelsenkirchen anzugeben.“

„Es ist schon so, dass ich das auch schon erlebt habe, wenn man unterwegs ist, im Urlaub oder wo auch immer, dass man eben feststellt, dass man belächelt wird, dafür, dass man aus Gelsenkirchen kommt. Und das liegt vor allem auch am negativen Stadtimage, das immer wieder nach außen getragen wird. Und die positiven Seiten nach außen zu kehren, ist Aufgabe von Stadtmarketing, von Öffentlichkeitsarbeit und die müssen wir in den kommenden Jahren definitiv intensivieren, um die positiven Aspekte in Gelsenkirchen hervorzuheben.“ Laura Rosen (CDU)

Das Image einer Stadt lebt vor allem von den Dingen, die tatsächlich vorhanden sind. Bevor man positive Seiten nach außen kehren kann, muss man negative Tatsachen vor der eigenen Haustür wegbaggern und irgendetwas neu anpflanzen, wässern, düngen, hegen und pflegen, bevor dies schließlich Früchte bringt und beworben werden kann. Ohne die Ursachen des schlechten Images zu beseitigen, endet auch in Zukunft jedes Marketing mit der Entlassung derjenigen, die Peinlichkeiten wie „Gelsenkirchen: Herz im Revier voll Kraft und Zauber“ verbrochen haben. Übrigens: Wer nicht sein ganzes Leben ununterbrochen in Gelsenkirchen verbracht hat, weiß, dass kein Marketing der Welt das Image von Gelsenkirchen aufpolieren kann. Das Kind ist nicht nur in den Brunnen gefallen. Es hat sich dabei fast das Genick gebrochen, muss erst gerettet und dann aufgepäppelt werden, bevor irgendwer außerhalb von Gelsenkirchen es – aus freien Stücken angelockt – besuchen will.

„Asyl sollte ein Grundrecht bleiben. Da kann auch Gelsenkirchen helfen. Der Zuzug aus Südosteuropa ist nicht mehr hinnehmbar.“ So lautet eine zweite provokante Äußerung.

„Ja, hier sehen wir, dass jemand Migration und Integration eben auch sehr differenziert beleuchtet. Da wird konkret unterschieden zwischen geflüchteten Menschen, die hier Asyl suchen, und einem Zuzug aus Südosteuropa, der gesellschaftlich aktuell eben auch sehr belastend ist, weil sich viele dieser Menschen eben nicht an unsere gesellschaftlichen Regeln halten. Und genau das unterstreicht auch unser CDU-Wahlprogramm an der Stelle, denn, ja, natürlich ist es gesellschaftliche Aufgabe, geflüchtete Menschen aufzunehmen. Ob das aktuell in Gelsenkirchen immer so funktioniert, wage ich zu bezweifeln, weil wir eben mit Integration überfordert sind. Aber viel wichtiger ist der Punkt, des Zuzugs aus Südosteuropa. Wir stellen eben konkret auch eine Zuwanderung in unser Sozialsystem fest. Eine Armutszuwanderung hier vor Ort, die wir unterbinden müssen. Und diesen Menschen müssen wir es leider auch unbequem machen.“ Laura Rosen (CDU)

Bei aller propagierter Differenziertheit, hier wird leider nicht genau genug unterschieden. Die Stadtkasse wird von dermaßen vielen unterschiedlichen Personengruppen gemolken und das Bildungssystem von nicht zu bewältigenden Aufgaben geflutet, dass selbst die Kandidatin Zweifel hat, ob Gelsenkirchen den Zuzug von weiteren Bedürftigen oder Anspruchstellern überhaupt gebacken bekommt. Was vielfach unter Asyl verbucht wird, ist ebenfalls Einwanderung in die Sozialsysteme, denn die Hälfte der Asylbewerber erhalten kein Dauerbleiberecht, werden aber trotzdem dauerhaft versorgt. Die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine werden ohne Gegenleistung finanziert und erhalten hier bei uns in Summe aus Sach- und Geldleistungen etwa das fünffache des Durchschnittsverdienstes in der Ukraine. Natürlich kann die Stadt auch das längst nicht mehr tragen. Gelsenkirchen ist, realistisch betrachtet, nicht mehr in der Lage, irgendeinen Menschen aus Krisengebieten oder Armutsregionen aufzunehmen, angemessen unterzubringen und so zu versorgen, wie es die geltenden Gesetze vorschreiben. Es gibt keinen finanziellen und nur noch einen geringen gesellschaftlichen Spielraum für Differenziertheit.

Frau Rosen will es Menschen unbequem machen, die sich nicht an Regeln halten, und so die Armutseinwanderung vor Ort irgendwie unterbinden. – Idealismus? Naivität? Egal, was es ist, es wird nicht funktionieren, denn das Problem sitzt in Berlin und in Düsseldorf. Der Kandidatin hätte es gutgestanden, es ganz anderen Menschen sehr unbequem zu machen. Beispielsweise ihrem Parteifreund, dem Bundeskanzler, Widerstand und Rebellion anzusagen, damit der Zuzug von entwurzelten Menschen nach Gelsenkirchen aufhört. Sie hätte auch ihrem Parteifreund, dem Ministerpräsidenten, Ansagen machen können, dass die Stadt Gelsenkirchen mit ihr als OB so lange mediales Dauerfeuer auf die Landesregierung ausüben werde, bis die ärmste Kommune mit höchster Priorität unterstützt wird. Gegen das Establishment mit vollem Einsatz für Gelsenkirchen. Das ist selbstverständlich nicht geschehen, denn die Partei wird ihr nicht das ganze Amt überlassen und mitregieren wollen.

So bleibt der Eindruck, dass diese redegewandte, dynamisch auftretende junge Frau im Falle eines Wahlsiegs sich vor allem in der Stadtverwaltung aufreiben wird, in der nach ihrer Meinung vieles verhindert wird „insbesondere auf der Führungsebene“ – so ihr Schlussstatement.

Laura Rosen, Finanzbeamtin. 30 Jahre alt. 30 Jahre in Gelsenkirchen. – Reichen ihre Verwaltungserfahrung, ihre jugendliche Frische und ihr hervorstechender Lokalpatriotismus als Rüstzeug für das Amt des OB aus?

Quelle: https://www.waz.de/lokales/gelsenkirchen/

https://archive.ph/WHoJJ

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1 Kommentar
Heinz Niski

Auf der WAZ Facebook Seite gibt es 105 Kommentare zu dem Bericht über die Kandidatendiskussion (Stand 02.09.25).
Kein einziger (!) zu oder über Laura Rosen.
Viele Bekennerkommentare – AfD ist Nazi – ich bin gut, SPD ist schlecht – ich bin gut, Frauen an die Macht – ich bin stolz Frau zu sein, Gelsenkirchen ist verloren – ich wohne schon lange woanders.
Außerhalb des WAZ Bereiches beschäftigen sich andere mit dem Niveau der Diskussion und der Diskussionsführung. Hat die WAZ nur Praktikanten? Hat das Gespräch eine KI geführt? Warum gibt die WAZ der AfD eine Bühne.
Bis auf ein, zwei Kommentare beschäftigen sich alle mit „Gedöns“ – niemand mit Lösungen. Tenor insgesamt: die Stadt ist verloren.

Unter dem Video von Frau Rosen gibt es hauptsächlich Bemerkungen wie: „frisch, sympathisch, telegen“ – aber glauben können wir ihr auch nichts, ändern kann und wird sie nichts.

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