Die Tage, Stromausfall im Haus.
Der Notdienst des Energieanbieters sagt: „Finden sie weitere Häuser ohne Strom in der Straße, dann kommen wir. Sonst müssen Sie einen Elektriker kostenpflichtig holen.“
Ich ziehe los, Handy und Stimme des Notdienst-Schichtlers am Ohr. Im Haus links von mir reagiert niemand auf mein klingeln. Stromlos? Ich weiß es nicht.
„Gehen Sie in die andere Richtung zu den Häusern XX YY ZZ.“
Am Haus XX suche ich funktionierende Klingeln. Keine Beschriftung. Hier wohnten zuvor Rotationseuropäer. Nun Stille und Slumanmutung.
Das Haus YY lädt mit offener Haustür zum Besuch ein. Die Klingelbrettkonstruktion ist gewagt. Hier lose Drähte, da batteriebetriebene Zusatzklingeln, einige schwarz, andere weiß, wie leere Augen starren mich schwarze Namensschilder an.
Ich schildere dem Operateur die Situation. „Ich verstehe, klingeln Sie dort nicht, begeben Sie sich nicht unnötig in Gefahr, gehen Sie zum nächsten Haus.“
Die losen Drähte meinte er nicht.
Das Fenster einer Parterrewohnung des Hauses ZZ war geöffnet, Stimmen waren zu hören und ich fragte den Mann, den ich dort sehen konnte, ob er Strom hätte.
Er stand auf, nackter Oberkörper.
„Nix Deutsch.“
Hmm… „Espanol? Englisch?“
Wir einigen uns auf Englisch. Die Familie freut sich, dass ich mich um Strom für ihren ausgefallenen Fernseher kümmere. Ich freue mich, dass der Energieversorger nun den Notdienst schickt.
Mittlerweile haben auch andere Mieter in der betroffenen Häuserzeile auf den Stromausfall reagiert. Verschiedene Notdienst-Elektriker fahren vor und suchen den Fehler. Erfolglos, aber kostenpflichtig. Unkoordiniert. Unabgestimmt. Der Fehler liegt im zentralen Schaltkasten des Stromversorgers auf der Straße, nicht in den einzelnen Häusern. Elektriker, die Bereitschaftsdienst haben, unterbrechen ihre Geburtstagsparty, ihr Abendessen, ihren Fernsehabend. Sie brauchen Unterschriften, die belegen, dass sie vor Ort waren und gearbeitet haben.
Die Kosten werden auf die Mieter umgelegt. Zuvor aber muss irgendjemand eine Unterschrift leisten. Ich unterschreibe, obwohl nicht Mieter in dem Haus, damit der Mann zurück zu seiner Geburtstagsfeier kann.
Erkenntnisgewinn I:
Deutschland funktioniert, Störungen der Infrastruktur werden behoben. Die Regulierungen sind gut reguliert, wenn auch nicht effektiv koordiniert. Unterschriften müssen sein, egal von wem. Urkundenfälschung ist, wenn man einem Kunden eine gefälschte Uhr unterschiebt.
Erkenntnisgewinn II:
Ich muss nur die Klingeln ohne Wertung beschreiben, schon weiß der Mann am anderen Ende, welche Handlungsempfehlung er mir geben muss, ohne Wertung.
Wir sind längst in Bereichen gelandet, die in totalitären Gesellschaften üblich sind, teilweise noch bekannt aus der Zeit des Dritten Reiches und der DDR. Es gibt die öffentliche oder offizielle Sprache, es gibt die Privatsprache, die inoffizielle Sprache und es gibt die kommunikative Doppelwirklichkeit.
Kommunikative Doppelwirklichkeit war das Telefonat mit dem Mann des Notdienstes. Man muss wissen, vor wem man was sagt. Sprachliche Zweigleisigkeit.
Verborgene Diskurse bereiten auf Doppeldenk vor.
Verborgene Diskurse, kommunikative Doppelwirklichkeit, sind die Wegbereiter für die AfD.
Verborgene Diskurse und kommunikative Dopellwirklichkeit sind Ausweichstrategien, wenn Ideologen die Wirklichkeit verdrehen und als Kulturkämpfer die Hoheit über den medialen öffentlichen Diskurs haben.
Die dramatischen Folgen für eine Gesellschaft, die Realität ausblendet, Diskurse unterdrückt, Sprachregelungen überstülpt, schildert die Journalistin Liv von Boetticher in dem Podcast mit Tim Gabel vom 16.08.26.
00:00 Warum wollte sie Journalistin werden? 09:05 Afghanistan: Die Medien verschweigen dir die Wahrheit! 48:20 Vorwürfe gegenüber der Polizei: Sind sie alle rechts? 1:21:42 So viel kostet der deutsche Pass auf TikTok 1:56:55 Wie kriminell sind Ausländer? Das zeigt die Statistik 2:32:15 3000€ Bürgergeld im Monat? Deshalb wollen alle nach Deutschland 3:01:35 Remigration: Tabuwort oder einzige Lösung? 3:45:55 Stadtbild-Debatte, Justiz-Kollaps und Merz‘ leere Versprechen 4:16:40 Brennpunkt Bahnhof: Messerattacken, Schüsse & Überfälle 4:31:59 Verlieren wir dieses Land?




Guten Tag, Sie haben keinen Strom? Kaufen Sie sich einen Speicher voll davon bei teuer-ist-lustig .de. Er kommt dann demnächst. Wie? Jetzt? Sind Sie sicher, dass alle Elektrogeräte angeschlossen sind? Haben Sie wirklich jeden Stecker kontrolliert? Haben Sie Ihre Stromrechnung auch bezahlt? Woher wissen Sie dann, dass der Strom bei Ihnen ausgefallen ist? Haben Sie alle Geräte vorher auf Funktion getestet? Nicht? Dann haben Sie das sicherlich innerlich ganz tief gefühlt, was? Haben Sie überhaupt einen Stromanschluss? Brauchen Sie jetzt tatsächlich Strom oder wollen Sie den nur haben, damit Sie sagen können: Seht her, ich habe es geschafft. Ich habe Strom! Haben Sie in diesem Jahr überhaupt schon genug Strom eingespart für die nächste Schippe? Hm. Hm. Hm. Jaja. Nein, natürlich nicht, aber wieso soll ich Ihnen glauben, dass Sie Sie sind?
Auf Wiederhören.
Aus dem Gesprächsleitfaden für Call-Center-Mitarbeitende der Energiewendeversorger.